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Die Gesichter Manchesters

24. Januar, 2008 von Anna Regeniter · Keine Leserbriefe

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Einen Briten im Ausland zu erkennen ist einfach. Die kurz geschorenen Haare, die Stupsnase, die Plastiktüte in der Hand – wo auch immer sie auftauchen, die Island Monkeys stechen unausweichlich aus der Menge hervor. Warum, das hat bisher noch niemand so ganz begründen können.

Wer dieses Phänomen näher studieren möchte, der sollte einen Blick auf die Ausstellung Faces of Manchester im Nowgen Centre werfen. Mehrere hundert Fotografien von random Mancs, also von der Strasse gepflückten Bewohnern Manchesters, wurden hier digital zu zwei Bildern kombiniert, um das typische Gesicht der Stadt abzubilden. Dem Projekt nach zu urteilen sind Mr and Miss Manchester blutjung, blauäugig, und alles andere als hässlich.

„Sieht er nicht ein bißchen aus wie Michael Owen?“ murmelt eine Besucherin der Ausstellung bewundernd vor dem Bild des typischen Mannes. Und sie hat recht: die gleichen fein geschnittenen Züge, die gleichen Rehaugen wie der Fußballspieler - eine gewisse Ähnlichkeit ist unbestreitbar. Wenn Michael Owen auch aus dem benachbarten Chester kommt, so erkennt man in den beiden Bildern doch einen gewissen Typus wieder, den man hier im Nordwesten tatsächlich oft sieht.

Nicht Rechenschaft ablegen tut die Ausstellung allerdings von dem unglaublichen Kulturenmix der Stadt. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Englands ‚Second City’ eine der großen Einwanderungsstädte der Welt. Schätzungen zufolge gehören nur 71% der Bevölkerung der Kategorie ‚white British’ an, der Rest ist zusammengewürfelt aus Menschen asiatischer, afrikanischer, osteuropäischer Herkunft und allen anderen Ecken der Welt. Der oder die Bewohnerin Manchesters asiatischer Herkunft, die immerhin ein Zehntel der Bevölkerung ausmachen, werden sich in den Bildern kaum wieder erkennen.

Ein klein wenig mehr Vielfalt erlauben die Fotografien anderer repräsentativer Gruppen: der typische Manchester United Fan und sein weibliches Gegenstück, der typische Man City Fan plus weibliches Spiegelbild, die unverwechselbare Weintrinkerin, der charakteristische Einkäufer, die typische Bingo-Spielerin. Hier jedoch schleichen sich dann die ersten großen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Projektes ein: weiß doch jedes englische Kind, dass es sich bei der typischen Bingo-Spielerin um eine circa 68 Jahre alten Dame mit blau gefärbtem Haar und schreiend roten Lippen handelt. Wie kann sie sich plötzlich in ein hübsches junges Mädchen verwandelt haben?

Tags: Manchester

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