Dieser Satz einer Wohnungsvermieterin in der belarussischen Hauptstadt ist bezeichnend für das Minsk des Jahres 2008.
Um ihn verstehen zu können, braucht man wahrscheinlich einige Hintergrundinformationen:
Belarus ist jener Staat, den Deutsche „Weißrussland“ nennen und Condoleezza Rice „die letzte Diktatur in Europa.“ Der Präsident des Landes, Aliaksandr Lukaschenka, lässt sich von seinem Volk baz’ka (=„Väterchen“) nennen und sorgt sich auch wie ein Vater um die Belarussen.
Zum Beispiel achtet er darauf, dass das Fernsehen nur solche Informationen zeigt, die keines seiner belarussischen Kinder verunsichern würde. Dies ist der Grund, warum Satellitenschüsseln momentan in Minsk verboten werden: Über sie können die Belarussen internationale Fernsehkanäle empfangen, die Nachrichten verbreiten, die ganz sicher nicht in Väterchens Konzept von Informationspolitik passen.
Dies ist also der Zusammenhang zwischen Demokratie und Satellitenschüsseln: nach einem Regierungswechsel wäre ihr Aufstellen genau so wie das Drucken unabhängiger Zeitungen kein Problem mehr.
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Auch aus diesem Grund ist das Zitat dieser Dame, die um die 60 Jahre alt ist, so typisch: Fürs „Demokratie machen“ sind in Belarus immer die anderen zuständig. Sie habe in ihrem Leben bereits genügend für das Land getan. Jetzt sei die Jugend dran.
Die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2006 haben gezeigt, dass die Jugend dies nur zu einem geringen Teil so zu sehen scheint: Noch unter dem Eindruck der Orangen Revolution versammelten sich zwar am Tag der Wahl, die für alle offensichtlich nichts weiter als eine Farce war, ca. 30.000 Menschen auf dem Oktoberplatz, um zu protestieren. Nach einigen Tagen jedoch wurden die Demonstrationen zerschlagen, viele Aktivisten verhaftet und von der Miliz zusammen geschlagen.
Seither ist die belarussische Opposition, die nach Meinung der restlichen Bevölkerung fürs „Demokratie machen“ zuständig ist, zusammen mit der Jugend scheinbar in der Versenkung verschwunden: die letzten Demonstrationen konnten nur ca. 5.000 Belarussen mobilisieren, eine Zahl, die bei einer Bevölkerung von 2,2 Millionen Menschen in Minsk verschwindend gering ist.
An dieser Stelle werde ich von nun an darüber berichten, ob sich ein Kampf der Belarussen um ihre Satellitenschüsseln und gleichzeitig um Demokratie und Freiheit in ihrem Land entwickelt oder ob die Bevölkerung (und ich inklusive) mit allabendlichen Propagandanachrichten beschallt wird.
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