Friedliche Jugendliche stellen sich der prügelnden Polizei entgegen: es gibt viele verletzte Demonstranten. Das Grémio lisbonense ist geräumt. Am Mittwoch soll neu verhandelt werden.
Leere Gesichter, regungslose Mimik und ausdruckslose Augen von etwa 50 jungen Menschen; dieser Anblick bot sich am vergangenen Freitag abend am Rossio, dem zentralen Platz Lissabons, den Passanten. Es sind einige Minuten vergangen, seit die Polizei etwa 30 von ihnen mit Schlagstöcken aus dem Kulturclub Grémio lisbonense vertrieben hat. Einige halten sich Eisbeutel an den Kopf, andere bluten und warten auf den Krankenwagen. Die Staatsmacht hat den Eingang zum Club abgeriegelt. Die Augen der meist jungen Uniformierten blicken durch die Jugendlichen hindurch in die Ferne und sollen Entschlossenheit zum Ausdruck bringen.
Entschlossen waren etwa ein dutzend Beamte wenige Minuten zuvor gegen die Jugendlichen vorgegangen, die gegen die Schließung des Clubs protestieren wollten. “Sie kamen hereingestürmt und prügelten ohne ein Wort mit ihren Schlagstöcken los!” empört sich eine Jugendliche, die zum Zeitpunkt des Angriffs im Club weilte. Dabei hätten die Beamten ihre Waffen auch auf Kopfhöhe eingesetzt. Selbst auf die durch die Gewalteinwirkung Gestürzten, hätten die Polizisten weiter eingeschlagen. “Sie haben nicht aufgehört, bis alle aus dem Haus waren.”
Das ist der vorläufige Schlussakkord einer Entwicklung, die 150 Jahre nach Gründung des Grémio lisbonense sein Fortbestehen am zentralen Gründungsstandort gefährdet. Im Grémio finden regelmäßig Konzerte und Kunstausstellungen statt. Zwar sieht selbst die Stadtverwaltung das Grémio als wünschenswerte Einrichtung, die Eigentümer des Hauses in bester Lage sehen das aber anders. Sie werfen dem Club Sachbeschädigung an der Bausubstanz vor. Damit zogen sie vor Gericht. Der Räumungsbefehl wurde zum Freitag wirksam und von der Polizei tatkräftig umgesetzt.
“Wir wollen einen neuen Vertrag”, sagt der Anwalt des Grémios. Die Eigentümer wollten in den Räumen des traditionsreichen Clubs ein Luxushotel errichten, fügt Alfredo Teixeira, Präsident des Grémios, hinzu. Die Eigentümer bestreiten das. “Diese Pläne gelten für ein anderes Gebäude”, sagt ein Vertreter. Die Räume am Rossio sollen vermietet werden. Teixeria läuft zwischen den Jugendlichen hin und her. Er wirkt deutlich irritiert ob der Ereignisse, als er der mittlerweile versammelten Presse und dem Fernsehen ein Interview nach dem anderen gibt.
“Wo ist meine Freundin? Ich will Auskunft, wie es ihr geht!” wendet sich eine junge Frau mit spanischem Akzent an einen der Polizisten. Der zuckt mit keiner Wimper. Keiner der Beamten rührt sich. Als wenig später ein weißhaariger Herr mit Reisekoffer um Durchlass bittet, haben die Polizisten kurzzeitig die Sprache wieder gefunden. Dem Herrn tut sich ein Spalier auf und ein Polizist erläutert ihm bereitwillig die Situation. Der Krankenwagen hat nach 40 Minuten den Weg zum Rossio gefunden. Einige der frustrierten Jugendlichen setzen sich auf die Straße. Doch der Wille der meisten ist gebrochen. “Die Sitzblockade bringt doch eh nichts. Lasst uns lieber ein Bier trinken gehen”, sagt einer. Die Schlösser ihres Grémios sind bereits ausgewechselt. Am kommenden Mittwoch ist ein Treffen der Konfliktparteien anberaumt. Die Hoffnung auf eine Einigung ist gering.
Keine Leserbriefe bisher. ↓
Keine Leserbriefe... Mach den Anfang!
Schreibe einen Leserbrief.