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Wo ist mein Fahrrad?!

11. Februar, 2008 von Elena Kuch · 1 Leserbrief

„Hvor er min cykel?“ – Diesen Satz sollte man sich merken, wenn man in Kopenhagen leben will, denn für viele Neu-Kopenhagener wird er schnell zur harten Realität.

Denn, wer nur mal eben etwas einkaufen gehen möchte und es nicht für notwendig erachtet, sein Fahrrad für diese fünf Minuten anzuschließen, wird sich wundern, wenn das Rad bei der Rückkehr nicht mehr an seinem Platz steht.
Ein nicht angeschlossenes Fahrrad wird nämlich als allgemeines Eigentum anerkannt und jeder darf es sich zu Eigen machen und fahren, bis der Nächste kommt und es an sich nimmt. Das ist kein Diebstahl, nein, es sorgt für einen Kreislauf, in dem man im besten Fall immer und überall einen herumstehenden Drahtesel besteigen kann. Ob das legal ist oder nicht, ist eine andere Frage.

Wer weiß, ob die Erfinder der København City Bikes dieses System im Sinn hatten, als Kopenhagen als erste Stadt der Welt City Bikes einführte. An über 100 Stationen kann man sich nach dem Prinzip eines Einkaufswagens im Supermarkt ein Fahrrad leihen. 20,- Kronen Pfand steckt man in das Schloss des dänischen Designstücks und bekommt sie bei Rückgabe an einer beliebigen Station zurück.
Über 2000 Räder gibt es und das System wird von immer mehr europäischen Metropolen kopiert, zuletzt von Paris.

Amalienborg

Die Fahrradkultur prägt das Stadtbild und ist verantwortlich für die besondere Atmosphäre einer gemütlichen Metropole, die so gut zum liberalen Kopenhagen passt.

Alle fahren mit dem Rad, auch bei Windstärke neun und Gegenwind. Der Anwalt bringt vor der Arbeit seine Kinder zur Schule, der Maler transportiert sein Arbeitsmaterial und Massen von Studenten drängen sich auf den Radwegen aus dem nördlich gelegenen Stadtviertel Nørrebro morgens in Richtung Uni.

Mitverantwortlich für diese besondere Stimmung sind die Cristiania-Räder. Durch ihre große Ladefläche machen sie es möglich fast alles per Fahrrad zu transportieren. Ein nicht ungewöhnliches Bild ist der Transport von bis zu fünf Kindern, Arbeitsmaterial vom Pinsel bis zur Leiter und sogar Tannenbäume in der Weihnachtszeit.
Seit den 80er Jahren werden die Räder in der Freistadt Christiania produziert und sind seit dem ein großer Erfolg, ohne den das autonome Christiania kaum denkbar wäre.

Børnehaven

Die Stadt Kopenhagen plant die Hälfte ihrer Einwohner bis 2010 auf den Sattel zu bringen. Der Umwelt wird es gut tun, wenn die Autos weniger und die Radwege noch voller werden. Doch schon jetzt sollte man einige Regeln beachten, wenn man Ärger und Massenstürze vermeiden will: Die Verkehrsregeln sollten befolgt werden, das Abbiegen rechtzeitig signalisiert werden und, wenn man anhalten will, sollte dies durch das deutliche Heben eines Arms angekündigt werden.
Wer nachts ohne funktionierendes Licht von der Polizei erwischt wird, muss mit einer Strafe von 70,- Euro rechnen, pro Licht.

Kopenhagen ist perfekt geeignet für Radfahrer: Überall gibt es breite Fahrradwege, die Stadt ist flach und dank ihrer überschaubaren Größe kommt man fast überall innerhalb einer halben Stunde hin. Für Ausflüge eignet sich die 45 Kilometer lange Küstenstraße Strandvej optimal.

Mein Fahrrad steht vor der Tür. Auf ihm werde ich Kopenhagen weiter erforschen und aus der Stadt und von dem Leben hier berichten.

Bunte Häuserfassaden

Tags: Kopenhagen

1 Leserbrief bisher. ↓

  • 1 Krüger Udo, Hamburg // Feb 18, 2008 at 19:09

    Der Artikel hat mir außerordentlich gut gefallen. Er ist kurz und informativ auf den Punkt geschrieben. Der Beitrag reizt Kopenhagen einmal wieder zu besuchen, um dort eine kleine Rundfahrt auf dem Rad durch die Stadt zu unternehmen. Auf den nächsten Kopenhagen-Bericht freue ich bereits.

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