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9. März: Über das, was Bela Lugosi mit Mariano Rajoy vereint

20. Februar, 2008 von Sören Meschede · 21 Leserbriefe

In 18 Tagen wird in Spanien ein neues Parlament gewählt. Beginn einer Mini-Serie zum Wahlkampf

Schon lange nicht mehr so richtig gegruselt? Dann unbedingt Wahlkampf schauen. Am 9. März wird in Spanien gewählt. Vier Jahre war die sozialdemokratische PSOE am Ruder und ihr Chef José Luís Rodriguez Zapatero will gerne noch einmal vier Jahre dran hängen. Doch das will Mariano Rajoy, der Chef der konservativen PP, unbedingt vermeiden. So weit, so normal.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass beide Kandidaten, sowohl Rajoy, als auch Zapatero die Inkarnation eines Anti-Obama sind: Rhetorisch schwach, absolut unvisionär und das Gegenteil von charismatisch.

Also nichts weiter als ein öder Wahlkampf zwischen denn zwei Politik-Elefanten des Landes die unbeholfen über Redetribünen und durch Talkshows stolpern? Nein, es gibt da noch ein wenig mehr. Wie überall in der Welt wird auch in Spanien Wahlkampf a la USA gemacht. Homestorys, jubelndes Volk im Rücken des Politikers und Rededuelle im Fernsehen sind längst Standard. Aber die Politikmaschine in Spanien ist noch lange nicht so gut geschmiert wie in Amerika und bisweilen tun sich gewisse Lücken im Drehbuch der Wahlkampfstrategen auf, die einen Blick hinter die glatte Oberfläche des Politbetriebes erlauben.

Wahlkampf in Spanien ist ein wenig so, wie wenn man einen Film von Russ Meyer oder Ed Wood schaut. Der Reiz eines B-Movies liegt darin, dass der Zuschauer nie von einer hollywoodesken Wolke der Illusion eingelullt, vor sich hindämmern kann. Zu offensichtlich sind die Brüche im Film, die den Blick weg vom Drehbuch und hin zu den realen Akteuren lenken, die hinter den ihnen durch den Film vorgegeben Rollen hervorlugen. Wem nicht bei Bela Lugosis Kampf mit einer Gummi-Wasserschlange eine Welle des Mitleids mit diesem armen, alten Herrn überkommt, hat ein Herz aus Stein. Und es ist genau diese eigenartige Mischung aus Fremdschämen, Entdeckerlust und Empathie, die den Zuschauer trotz der offensichtlichen Schlamperei, dem fehlenden Budget oder mangelndem Talent auch im spanischen Wahlkampf bei der Stange hält.

Links:

Bela Lugosi in The bride of the Monster

Mariano Rajoy animiert die Spanier, ihre Flagge zu ehren

Zapatero übt sich in Selbstironie

Tags: Madrid

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