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Durchbürsten und umkrempeln

20. Februar, 2008 von Sören Meschede · 27 Leserbriefe

Manuel Borja-Villel ist der neue Direktor des Museo Reina Sofia, dem Museum für moderne Kunst in Madrid

Manuel Borja-Villel, von Vielen der Einfachheit halber einfach nur Borja, gerne aber auch Manolo, genannt, ist jetzt endlich dort angelandet wo ihn viele seiner Gefolgsleute schon vor Jahren gewünscht hätten: Der frühere Chef der Fundación Tapies und des MACBA in Barcelona sitzt nun im Direktorenzimmer des Museums Reina Sofia, dem größten spanischen Museum für moderne Kunst.

Borja Villel in einem Foto der Zeitung “El Público”

Seit 1988 gibt es diese nach Königin Doña Sofia benannte Institution, deren Sammlung historisch dort anfängt, wo die des Museo del Prado aufhört: Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch trotz einer Reihe beeindruckender Werke, vor allem aus den 20er bis 40er Jahren (unter anderem Picassos Guernica) konnte das Reina in den bald 20 Jahren seiner Existenz den anderen großen europäischen Museen wie der Tate Modern oder dem Centre Pompidou nie das Wasser reichen. Der Grund: Der jeweilig amtierende Kulturminister hatte die Möglichkeit den Leiter des Museums nach Gutdünken auszutauschen, was denn auch immer entsprechend geschah. Die Folge: Jedem der bisher sechs Museumsvorstände haftete der Ruf des Ministerlieblings an und viel schlimmer noch: Der Terminkalender des Reina  passte sich im Lauf der Zeit dem der Politiker an. Alle zwei bis vier Jahre gab es einen neuen Chef. Kontinuierliches Arbeiten war unmöglich und langfristige Planung undenkbar. Schlechte Voraussetzungen für ein Museum, das den Anspruch hat, zu den besten der Welt zu zählen.
Der neue (der zweite, in dieser Legislaturperiode) Kulturminister Spaniens, César Antonio Molina hat nun mit der Tradition seiner Vorgänger gebrochen und den Weg für ein Bewerbungsverfahren frei gemacht wie es in den meisten großen Museen üblich ist. Borja-Villel ist der erste Direktor, der nach einer internationalen Stellenausschreibung und aufgrund seines Profils von einem unabhängigen Expertengremium zu diesem Posten gekommen ist. Und mit Borja soll nun alles anders werden. Fünf Jahre läuft der Vertrag den er mit dem Museum geschlossen hat. Das wäre mehr Zeit als sie bislang jeder Direktor des Reina Sofia hatte.
Dem Herrn mit dem rabenschwarzem Schnauz eilt der Ruf voraus ein Erfolgsmensch und hervorragender Kunstmanager zu sein. Unter seiner Ägide erlebte das MACBA, das Museum für moderne Kunst von Barcelona eine bislang ungekannte internationale Beachtung. Und diesem Ruf will Borja-Villel in seinem neuen Posten auch wieder gerecht werden. Frohen Mutes und angetan mit einer fingernagelumbra und grau gescheckten Fliege er vor kurzem vor der versammelten Presseschar seine Pläne dar. Und während Minister Antonio Molina eher unbeholfen herumstammelte, erledigte Manuel Borja, ganz Profi, den lästigen Pflichttermin mit Eloquenz und Eleganz.
„Wie einen Handschuh umstülpen“, will er das Museum und das Reina Sofía zum „MoMA des 21. Jahrhunderts zu machen“. Zu diesem Zweck müsse die Sammlung umstrukturiert und akzentuiert werden. Vor allem die aktuelle moderne Kunst sei noch unterrepräsentiert. Und ganz im Stile des Dokumenta XI-Ehepaares Buergel will er dabei gezielt Arbeiten aufspüren, die abseits der breit ausgetretenen Pfade des Mainstream-Kunstmarktes entstehen.
Würde er vor allem letzteres Vorhaben tatsächlich in Angriff nehmen, wäre das Museum einen Riesenschritt weiter gekommen. Denn die Ankäufe der letzten Jahre waren ein klares Beispiel dafür, dass nicht nach einem klaren Plan sondern eher mit Blick auf den schnellen Effekt gekauft wurde. ‚

Drei Jahre, so der frischgebackene Direktor, würde es dauern bis sich seine Linie abzeichnen wird. Dem Museum ist es nur zu wünschen, dass der Neue auch so lange (und noch länger) durchhält.

Tags: Madrid

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