Türkische Medien kennen seit Freitag nur zwei Themen: den Einmarsch des türkischen Militärs in den Norden Iraks und den Einmarsch des Kopftuchs in die Hochschulen. Wobei die kriegerischen Attacken von einer großen Mehrheit als beruhigend und befriedigend empfunden werden, die Studentinnen mit Kopftuch hingegen als Bedrohung. Man kann das verwirrend finden. Staatspräsident Abdullah Gül gab beiden Vorstößen in der vergangenen Woche fast zeitgleich per Unterschrift die Legitimation.
Die Zahl der Toten und Verletzten im Norden Iraks variiert je nachdem, welche Zeitungen oder Fernsehkanäle man konsumiert: türkische, kurdische oder internationale. In türkischen Zeitungen gleichen die Bilder des Tages von Soldaten mit weißen Umhängen im Schnee unter gleißendem Sonnenlicht auf den ersten Blick den Polaroids von Neureichen beim Après-Ski, nächtliche Aktionen werden in den Nachrichten mit Bonanza-Melodien unterlegt. Die Oppositionspartei konzentriert derweil ihre Kräfte darauf, konservative Muslime von den Bildungsinstitutionen fernzuhalten. Ab Mittwoch wird sich das Verfassungsgericht mit der Häupter-Frage beschäftigen.
Die Konflikte sind alt und bleiben uns wohl erhalten, solange Bomben und Barrieren die einzigen Lösungsstrategien sind. Wer nicht in die Universität geht und die Medien ignoriert, stellt in Istanbul nur eines fest: Es ist Frühling. Über einigen Straßenzügen hängen noch die roten Leucht-Plastikherzen vom Valentinstag. Dass darauf in großen schwarzen Lettern das Logo eines Tampon-Herstellers prangt, stört niemanden.
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