Die Tage in Kopenhagen sind stürmisch. Und stürmisch wird es auch am Wochenende zu gehen. Am Jahrestag der Räumung des Jungendhauses, Ungdomshuset, im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro.
Das Jugendhaus war jahrelang Treffpunkt der linken und autonomen Szene. 1999 wurde es an eine Freikirche verkauft, am 1. März 2007 geräumt und wenige Tage später abgerissen. Es kam zu unzähligen Protesten und Straßenkämpfen mit der Polizei, die bis heute anhalten.
An einem meiner ersten Wochenenden in Kopenhagen im vergangenen September, kam ich Samstag Nacht nach Hause und wunderte mich über den Gestank nach Verbranntem. Ich war mir sicher, dass ein Haus in meiner Nachbarschaft abgebrannt sei. Der Geruch war so hartnäckig, dass man ihn selbst bei geschlossenem Fenster nicht aus der Nase bekam. Als ich jedoch Montag durch den Stadtteil Nørrebro ging, wurde mir klar warum: Überall lag das zerbrochene Schaufensterglas umliegender Geschäfte und unglaublich viel Müll herum. Es war geplündert worden am Wochenende, Autos und Barrikaden waren in Brand gesetzt und 63 Randalierer verhaftet worden.
Nørrebro ist das Kreuzberg oder eher das Schanzenviertel Kopenhagens und die Proteste erinnern an jene um die Rote Flora.
Das Viertel hat sowohl die höchste Ausländerdichte, als auch die meisten Studenten Kopenhagens. Wie in so vielen Städten haben in dem ehemaligen Arbeiterviertel viele moderne Cafés, Secondhand und Jungdesigner Läden neben Antiquitätengeschäften geöffnet.
Das Ungdomshuset liegt beziehungsweise lag im Jagtvej 69 direkt hinter dem Friedhof Assistens Kirkegård, wo Dänische Größen wie Hans-Christian Andersen, Søren Kierkegaard und Dan Turell begraben sind.
Dort, wo es stand, klafft ein Loch, weil es keinen Käufer für das Grundstück gibt. Auf dem Boden tummeln sich Tauben im Müll, der von den Demonstrationen der letzten Wochen stammt.
Das Haus, das seit 1897 als Rückzugsort der Arbeiter- und Frauenbewegung galt, wurde 1982 den besetzenden jugendlichen Gruppen frei zur Verfügung gestellt. Es war der Treffpunkt der links-alternativen Szene, Bar und Konzerthaus, bis die Regierung dem Räumungsantrag statt gab.
In vielen Ecken Kopenhagens sieht man Straßenschilder mit einem Jagtvej Sticker überklebt und auch die Demonstrationen sind all präsent. Im November 2007 gab der Sänger Manu Chao ein kostenloses Solidaritätskonzert, mitten in Nørrebro.
Für diese Woche planen die Aktivisten das Rathaus zu belagern und das Wochenende wird vermutlich einen neuen Höhepunkt darstellen. Tausende Demonstranten werden erwartet.
Das Ziel ist das Recht auf ein neues Jugendhaus, wozu es bereits Verhandlungen gab.


2 Leserbriefe bisher. ↓
1 Marko // Feb 29, 2008 at 15:12
Kennt man den gleichnamigen Song zum Titel des Beitrages tatsächlich in Kopenhagen ?!

2 Elena Kuch // Mrz 3, 2008 at 22:22
Der ein oder andere mit Sicherheit. Das Lied klingt nämlich bestimmt für viele sehr “berlinish”. Alles, was cool, in, modern ist, wird hier als “berlinish” oder “berlinisk” bezeichnet und auch, wenn Deichkind aus Hamburg kommen, kann diese Musik nichts anderes als “berlinish” sein.
Den Titel habe ich aber gewählt, weil er die Stimmung bei den Demonstrationen und danach gut beschreibt.
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