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Türkisch, Ost und West

27. Februar, 2008 von Dorte Huneke · Keine Leserbriefe

Im Ernst, am anderen Ende des Landes tobt ein Krieg und alles, was man davon mitbekommt, sind die stolz verkündeten Zahlen. Die Toten auf beiden Seiten werden täglich gezählt als ginge es um Punkte in einem Sportwettkampf. Der strahlend blaue Himmel erscheint geschmacklos. Die türkische Bodenoffensive im Nordirak zerreißt und zerstört Familien, tötet Zivilisten wie Soldaten und spaltet das gesamte Land. Selbst wenn die militärischen Gefechte, von denen keiner weiß, wie lange sie andauern werden, bald eingestellt würden: Der kurdische Südosten wird noch weiter in Armut versinken und vom reicheren Westen abgespaltet werden.

Als Erdoğan kürzlich verkündete, er wolle in den bald anstehenden Regionalwahlen die kurdische Metropole Diyarbakır einnehmen, glich das mehr einem Warnruf, es klang eher wie ein Feldzug als eine Werbung um Wähler, ein Versprechen auf Besserung der Verhältnisse. Es gibt heute bereits (nicht zum ersten Mal) zwei Fronten im Land: das türkische Militär, für das die offizielle Propagangda und die nationalistischen Kommentatoren um Unterstützung werben, und die PKK, die die kurdische Bevölkerung im Südosten zum Aufstand aufruft. Der Bevölkerung wird vermittelt, sie müsse sich auf eine der beiden Seiten schlagen. Es scheint, als sei es nur eine Frage der Zeit, eine Frage der ersten bombalen Erschütterung in den großen Städten, bis die Macht des Alltags gebrochen wird und das Wort Bürgerkrieg nicht mehr nur verbal die Runde macht. In den Köpfen hat er bereits begonnen.

Tags: Istanbul

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