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9. März: Vom Saulus zum Paulus

6. März, 2008 von Sören Meschede · 30 Leserbriefe

Teil drei der Serie zum spanischen Wahlkampf
Trockenheit
„Ich habe einen Freund, der ist Meteorologe. Und der konnte mir nicht sagen, wie morgen das Wetter in Sevilla sein wird. Wie also wollen wir wissen wie das Wetter in 200 Jahren ist, wenn ein Experte noch nicht einmal das Wetter von morgen vorherbestimmen kann.“ Dieser Kommentar von Mariano Rajoy über den Klimawandel gehört nicht gerade zu einer der intellektuellen Sternstunden des Präsidenten in spe. Aber jeder macht mal einen Fehler und der konservative Spitzenkandidat will den seinen wieder gut machen: 500 Millionen Bäume sollen Spaniens Waldarbeiter laut Wahlprogramm innerhalb der nächsten vier Jahre pflanzen, auf dass diese CO2 aufsaugen und Sauerstoff spenden.

500 Millionen Bäume? In einem Land, in dem sich Madrids Kunstmäzenin Tita Thyssen unter großem Beifall an ihre grünen Freunde vor dem Museum kettet, um deren Kahlschlag zu vermeiden, kommt so ein Vorschlag gut an. Vielleicht hat sich Rajoy aber etwas in der Höhe vergriffen. Selbst wenn man davon ausginge, dass er nicht nur diese sondern auch die kommende Legislaturperiode hat, um sein Vorhaben umzusetzen, müsste er innerhalb der nächsten acht Jahre pro Tag rund 160.000 Bäume pflanzen. Das macht ungefähr zwei Bäume pro Sekunde. Tage, Nächte, Weihnachten, Ostern, Sylvester und Geburtstage mit einbegriffen.

Schön wäre es aber doch, wenn er versuchte, seinen Vorschlag Realität werden zu lassen. Bis heute hält sich die Legende, dass noch vor 700 Jahren ein Eichhörnchen von dem südlichen Cádiz bis nach San Sebastian im Norden von Baum zu Baum hüpfen konnte, ohne auch nur einmal den Boden zu berühren. Davon kann man heute nur träumen. Wer von Madrid mit dem Bus oder Zug in Richtung Süden fährt, sieht rund 300 Kilometer lang nichts als die baumlose Halbsteppe von Castilla La Mancha in der schon Don Quijote verrückt wurde, weil die Sonne ihm sein Hirn unter dem Helm verbrutzelte. Erosion und Trockenheit sind die großen Probleme Spaniens, das seit vier Jahren regelmäßig Niederschlags-Negativrekorde erleben muss.

Und um gegen diese Entwicklung vorzugehen, wären diese 500 Millionen Bäume von Rajoy ein guter Anfang. Mehr aber auch nicht. Spanien hat 505.000 Quadratkilometer Fläche. Rajoy würde also 1000 Bäume pro Quadratkilometer pflanzen. Das macht einen Baum pro 100.000 Quadratmeter. Kein Eichhörnchen kann so weit springen.

Tags: Madrid

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