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Mit Sicherheit (nicht)

6. März, 2008 von Moritz Alexander Heiser · Keine Leserbriefe

Gegensätzlicher könnten offizielle Aussagen und gefühlte Wahrnehmung kaum sein. “Schon gehört? Gestern gab es wieder zwei Carjackings“, wurden heute morgen viele Gespräche in Büro, Uni oder Bus eröffnet. Als ”punktuelle Ereignisse und keine Welle von gewalttätigen Taten organisierter Krimineller”, sieht die Polizei die Anhäufung von Morden und versuchten Morden in den vergangenen Tagen im Großraum Lissabon. Zwar ist ein Carjacking nicht zwingend ein versuchter Mord und die kürzlich Erschossenen waren nicht alle im Auto unterwegs. Doch die Gesprächseröffnung zeigt: Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geht in Richtung Verunsicherung.

Laut einer Studie haben 71% der Portugiesen das Gefühl, ihre Sicherheit sei 2007 geringer geworden. Da helfen auch beschwichtigende Worte des Präsidenten Cavaco Silva wenig. Dieser hatte die portugiesischen Gewaltakte als “glücklicherweise nicht mit der Realität in anderen Ländern vergleichbar” eingeordnet. Statistisch betrachtet hat die Sicherheit sogar zugenommen. Gewaltstraftaten haben (einer anderen Studie zufolge) im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 10% abgenommen. Aber in dem Land, in dem ein Großteil der Abendnachrichten dem Polizeibericht entnommen zu sein scheint, lassen sich diese Daten anscheinend ganz gut vereinen.

Die Reaktionen in der Gesellschaft sind die üblichen: Besorgte Bürger und Einzelhändler fordern einen Ausbau der Videoüberwachung. Widerstand dagegen gibt es in Portugal kaum. Und gestern stellte der Innenminister sein neues Sicherheitsprogramm vor. Neben dem Ausbau der Big-Brother-Methode, ist die Aufstockung der Polizeikräfte im Land ein Schwerpunkt. Um 2000 Beamte soll das Personal der Polizei aufgestockt werden. In den vergangenen Tagen sind die Sicherheitskräfte schon in den Zentren der Gewalt tätig geworden. Bei Razzien wurden in mehreren Lissaboner Vorstädten Verdächtige verhaftet und illegale Waffen beschlagnahmt. Der Einsatzleiter erklärte das Vorgehen: “Unser Ziel war es, das Gefühl der Sicherheit in der Bevölkerung zu erhöhen.”

Tags: Lissabon

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