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9. März: Englisch für Anfänger

11. März, 2008 von Sören Meschede · 27 Leserbriefe

Vierter und letzter Teil der Serie über den spanischen Wahlkampf

Engländer kommt! Der Strand wartet schon

Das Volk hat gewählt und es bleibt alles so wie es war. Trotz großen Wahlkampfgedonners war schon lange klar, wie es am 9. März ausgehen würde: Die Sozialisten regieren und die Konservativen stänkern in der Oposition.

Nix Neues also in Spanien. Oder doch?

Denn Zapatero, der neue und alte Präsident, hat ein Problem. Angela Merkel will ihm morgen beim EU-Gipfeltreffen persönlich gratulieren. Aber Zapatero ist „No inglish espeaking!“ und jedes mal wenn er auf Tour ins Ausland geht, fällt selbst der Smalltalk mit den Leadern der anderen Nationen schwer. Allerdings ist der Präsident nicht allein. 90 Prozent seiner Landsleute teilen sein Los.

Englisch ist und bleibt für die meisten Spanier ein Buch mit sieben Siegeln. Nicht nur, weil die englischen Touristen den Spaniern noch weniger gefallen als deutsche Ballermänner. Englisch scheint irgendwie nicht für spanische Zungen gemacht zu sein. Wer in Spanien einen Satz halbwegs gerade zusammstokeln kann, schreibt in seinem Lebenslauf gerne mal „bilingue“ dt. (zweisprachig) hinein, ohne auch nur ein bisschen rot zu werden. Denn nachprüfen kann es ohnehin niemand.

Fakt ist, dass in spanischen Schulen ein eher unterirdischer Englisch-Unterricht gepflegt wird. Gesprochen wird nicht. Nur Grammatik gepaukt. Aber mit wem sollte man auch sprechen, wenn nicht einmal die Lehrer halbwegs akzentfrei reden können. Das Resultat: Jeder Spanier – auch wenn um vier Uhr morgens aus dem Bett geschmissen – kann fehlerfrei auf Spanisch über past tense und gerund referieren. Wird er aber auf englisch etwas gefragt, so beginnt er zu stottern.

Morgen also, wenn Zapatero mit Merkel über Wahl und Wetter radebrecht, wird er sich erinnern, welches heilige Versprechen er im Wahlkampfeifer abgegeben hat. Denn im Bieterwettbewerb um den großzügigsten Präsidentschaftsanwärter hat sich der jetzt-wieder-Regierungschef etwas ganz besonderes einfallen lassen: Spanien soll in den kommenden vier Jahren endlich richtig Englisch lernen:

15% des Unterrichts in den Schulen soll laut Wahlprogramm in der Fremdsprache abgehalten werden. Und damit die Kleinen auch astreines Englisch lernen, müssen auch die Lehrer besser werden: Der Staat bezahlt daher den Anfängerunterricht für 4000 Grundschullehrer. 20.000 weitere Lehrer reisen laut Plan zum Intensivunterricht in englischsprachige Länder und insgesamt 20.000 aus England stammende Lehrer sollen für Unterricht in spanischen Schulen verpflichtet werden.

Und jetzt geht es ans Versprechen einlösen. Arbeitslose Englischlehrer können sich die Hände reiben und von goldenen Zeiten träumen, in denen sie ein Vermögen mit dem spanischen Unvermögen anhäufen. Die schicken Bungalows an der Küste sind zur Zeit dank Imobilienkrise leer und warten schon auf blasse Inselmenschen.

Deutsch will in Spanien übrigens niemand lernen.

Tags: Madrid

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