
Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan war nie besonders charmant im Umgang mit der türkischen Bauern- und Arbeiterklasse. Einem unzufriedenen anatolischen Bauern hauchte er während des letzten Wahlkampfs ein geschmeidiges „Nimm deine Mutter und geh nach Hause!“ entgegen.
Jetzt steht die Reform der Sozialsysteme an. Die Arbeiter sind sauer: sie sollen länger arbeiten und bekommen anschließend weniger Rente.
Gestern gingen Arbeiter und Rentner gemeinsam auf die Straße, Gewerkschaften nannten die Reform ungerecht.
„Stimmt nicht!“, sagt Erdoğan und schimpfte die Aufmüpfigen kurzerhand Lügner. „Jetzt reicht’s!“, sagten sich die Arbeiter und legten heute für zwei Stunden die Arbeit nieder.
Von 10 bis 12 Uhr streikten Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern, Reinigungskräfte, Busfahrer und wer sonst noch für Ordnung und Bewegung in der Stadt sorgt. Flugzeuge blieben in Wartestellung. Selbst einzelne Nachrichtenagenturen stoppten für eine Viertelstunde ihre Dienste beziehungsweise berichteten ausschließlich über den Streik.
Ihre Mütter finden das wahrscheinlich gut. Ob sie gerne zu Hause herumsitzen, ist eine andere Frage.
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