Nach den Ostertagen hiess es für viele englische Schulkinder heute wieder Ranzen packen und ab ins Klassenzimmer. Osterferien? Die kommen noch. An manchen Schulen erst am 5. April. Was in katholischen Gegenden wohl als Häresie angesehen würde, ist in einem der säkularisiertesten Ländern Europas reine Organisationsfrage. Das frühste Osterfest seit 95 Jahren hat den Schulkalendar in England völlig durcheinander geworfen. Das Schuljahr hier ist in Trimester eingeteilt, wobei der summer term von den Osterferien bis zu den Sommerferien Ende Juli andauert. Ist das Sommertrimester normalerweise um die zwölf Wochen lang, würde es sich dieses Jahr ohne Umlegung zirka drei Wochen länger hinziehen. Für Schüler und Lehrer unzumutbar, fanden viele Direktoren und Eltern, und verschoben die Ferien kurzerhand.
Immer wieder werden in England Stimmen laut, die einen festen Termin für das Osterfest verlangen. Bob Hope von der British Hospitality Association sagt: “Es gibt gute Gründe, das Osterfest für Mitte April festzulegen, damit es besser mit den Osterferien übereinstimmt. Wir haben dieses Jahr ein großes Problem mit den nicht übereinstimmenden Schulferien. Für eine Familie, deren Kinder zu verschiedenen Schulen gehen, ist es so gut wie unmöglich, einen Urlaub zu planen.”
Und selbst die Gärtner müssen leiden. Der frühe Ostertermin, so der Guardian, untergräbe in diesem Jahr die Tradition, am Osterwochenende Kübel und Gartenbeete zu bepflanzen. Da hälfe nur eines: ein fester Termin. Laut eines Parlamentsbeschlusses von 1928 gibt es den sogar bereits. Der erste Sonntag nach dem zweiten Samstag im April. In Effekt tritt der Beschluss allerdings erst, wenn sowohl die anglikanische als auch die katholische Kirche sich damit einverstanden erklären. Beide jedoch haben, wohl kaum überraschend, keinerlei Eile, jahrhundertalte Traditionen so einfach aufzuheben. Ein Trost für Gärtner, Eltern und Direktoren: erst in 2160 wird Ostern wieder auf den 23. März fallen. Dann geht der Streit wahrscheinlich wieder von vorne los.
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