Am Wochenende hatte ich Besuch von Freunden aus Deutschland. Wir sind Samstagabend in eine neue Bar gegangen, die sehr typisch für Kopenhagen ist. Sie ist nämlich „so berlinish“ oder „så berlinisk“ wie alles, was neu, jung, hip, und cool ist.
Meistens haben die Geschäfte, Bars oder Diskotheken sogar einen deutschen Namen wie zum Beispiel das „Gefährlich“, die Geschäfte „Badeanstalt“, „Fünf“, „Liebling“ oder der Friseursalon „Kaiserschnitt“.
Die Bar, in der wir waren, heißt „Din nye ven“, Dein neuer Freund. Der Name passt, denn genau das ist uns dort widerfahren: Wir haben neue Freunde gefunden.
Wir sind so glücklich nach Hause gegangen wie selten und mein guter und langjähriger Freund sagte: „Das war bestimmt der beste Bar Abend, den ich jemals hatte. Ich habe noch nie so viele Leute in einer ganz normalen Bar kennen gelernt“. Das besondere dieser Nacht war, dass wir die Stars des Abends waren. Alle, die gemerkt haben, dass wir Deutsche sind, haben uns angesprochen und wollten sich mit uns unterhalten.
Unsere Erfahrungen, als weltläufige Personen, sind andere, wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt. Sätze wie „das sieht man Dir aber gar nicht an“ oder „ ich will jetzt wirklich nicht so sein aber du bist gar nicht wie ich mir eine Deutsche vorstelle“ bekomme ich im Ausland nach wie vor so häufig zu hören wie betretenes Schweigen, wenn nur eine Andeutung zum Zweiten Weltkrieg gemacht wird.
Unsere neuen Freunde wollten aber über ein anderes Thema reden, nämlich über Berlin.
Jeder Zweite in Kopenhagen, dem man erzählt, man käme aus Deutschland, möchte sofort alles über die deutsche Hauptstadt erfahren und erzählt, dass er ganz sicher einmal in seinem Leben in Berlin leben möchte. Oder er berichtet, dass er gerade über ein Wochenende günstig dorthin gefahren ist. Mittlerweile fliegen nämlich schon vier Billigfluglinien von Kopenhagen Berlin an, ein Busunternehmen bietet günstige Fahrten an und die Deutsche Bahn hat vor vier Monaten eine direkte ICE Verbindung eröffnet. Der ICE fährt mit einer Diesellok, was den Berlin Fans sicherlich gefällt. Denn der Kopenhagener Berliner ist jung, modern, gebildet, gibt sich gerne bohème und ist selbstverständlich umweltbewusst.
Das ist nichts neues, denn so gibt sich auch der normale deutsche zugezogene Berliner. Neu ist aber, dass Berlin unter den Dänen Paris, London und New York den Rang abläuft.
Berlin ist spannender, jünger, es hat sich bei jedem Besuch verändert und vor allem ist es erschwinglicher. Gerade für Menschen aus Kopenhagen, der dritt teuersten Stadt der Welt, einer Studie der Economist Intelligence Unit zufolge.
Jede fünfte verkaufte Wohnung in Berlin ging im letzten Jahr an Skandinavier und vor allem an Dänen. Sogar dänische Makler haben längst Filialen vor Ort eröffnet.
Das Flair von Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain kann man in diesen „berlinishen“ Bars oder Straßen auch hier bekommen. Das Prinzip der Berliner „Weinerei“, einer Weinbar, in der man keine Rechnung bezahlt, sondern so viel wie einem der Abend wert war, wurde auch schon kopiert.
Die Bars und Cafés sind hip, keine Frage. Sie spielen gute Musik, haben ein gutes Publikum und liegen in den coolsten Straßenzügen. In Berlin findet man viele coole Kneipen, aber für mich sind die Bars hier auch typisch kopenhagenerisch.
Zumal inzwischen eine Inflation an deutschen Namen unter den Kopenhagener Neueröffnungen vorzufinden ist.
Kopenhagens eigene Kneipenszene ist berühmt und die Stadt gilt als die liberalste des Nordens. Ich werde sie weiter erforschen. Doch ob ich mich mit meinen neuen Freunden wieder treffe, weiß ich noch nicht. Schließlich komme ich aus Hamburg.

1 Leserbrief bisher. ↓
1 Krüger Udo, Hamburg // Apr 12, 2008 at 13:51
Der Artikel Berlin in Kopenhagen hat mir richtig Lust gemacht, bei meinem nächsten Aufenthalt mal nicht nur das Touri-Programm abzuarbeiten, sondern ruhig mal abends ein paar Kneipen zu testen. Bitte mehr solcher Artikel von Elena Kuch! Insider Tips über Klamottengeschäfte würden mich interessieren.
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