Wir schreiben die 67. Minute des Halbfinales des portugiesischen Pokals. Es steht 2:0 für Benfica und das einzig ewige Derby Portugals scheint längst entschieden. Mit einer für diese grauenvolle Runde erschreckend souveränen Leistung hält Benfica den Lokalrivalen Sporting auf Distanz. Doch nachdem schon zuvor der herausragende Benfica-Torwart Quim zweimal mit Glanzleistungen parierte, fällt nun der Anschlusstreffer: Yannick markiert das 1:2 aus der Sicht von Sporting. Es ist der Auftakt eines Torreigens, der dieses Spiel im eigenen Stadion noch lange in den Köpfen der Sporting-Anhänger bewahren wird.
Der nationale Pokal ist die letzte Möglichkeit für die Lissaboner Traditionsklubs das Jahr mit einem Titel zu beenden. In der Meisterschaft ist die Dominanz des FC Porto zu erdrückend und in den europäischen Wettbewerben ist für die Lissaboner auch schon Schluss. Anstatt zu verzagen, gehen beide Teams mit offenem Visier in das dritte Derby dieser Saison (nach zweien in der Meisterschaft). Die Anhänger auf den Rängen sehen ein Spiel mit schnellen Angriffen auf beiden Seiten. Die Abwehrreihen helfen allerdings gütig mit. Nur mit der Chancenverwertung klappt es beim Rekordmeister Benfica besser. Nach 45 Minuten steht es 2:0 nach schön herausgespielten Treffern von Rui Costa und Nuno Gomes.
Es scheint, als hätten die “Águias” (”Adler”) in der zweiten Hälfte nur eines zu fürchten: Dass ihr Torwart von einem der zahlreichen Wurfgegenstände - Leuchtraketen, Führzeuge u.a. - aus dem Block der Sporting-Anhänger niedergestreckt wird. Doch die Attentatsversuche der Fans der “Leões” (“Löwen”) bleiben ohne Wirkung. Quim beweist in mehreren Situationen, warum er einer der besten Torwarte in Portugal ist (die Nummer 2 bei Benfica auf dieser Position ist übrigens der Deutsche Hans-Jörg Butt). Doch gegen den nun folgenden Sturmlauf Sportings lassen ihn seine Vorderleute im Stich. Besonders die linke Abwehrseite ist anfällig. Alle Gegentore werden über diese Seite eingeleitet und in der 79. Minute erzielt Derlei das 3:2 für die Löwen. “In der Halbzeitpause haben wir über die erste Hälfte gesprochen und dass wir die Saison nicht so schlecht enden lassen können. Deshalb haben wir so gespielt”, sollte der Torschütze nach dem Spiel in die Notivzblöcke der Reporter diktieren.
Benfica hingegen wirkt in der zweiten Hälfte wie ausgewechselt. Die Souveränität der ersten Halbzeit macht Verunsicherung Platz. Die Spieler wirken müde. Sporting ist spritziger, aggressiver und ballsicherer. Die Entlastungsangriffe der Adler werden seltener. Doch wie aus dem Nichts schießt der Uruguayer Rodriguez nach einem Konter in der 82. Minute das überraschende 3:3. Kurzzeitig keimt Hoffnung auf, bei den Anhängern von Benfica. Doch der Sturmlauf der Löwen ist nur unterbrochen. Angriff um Angriff rollt dem Tor Quims entgegen. Schon drei Minuten später erzielt Yannick das 4:3.
In der Schlussphase gibt Benfica noch einmal alles. Oder besser gesagt: sie versuchen es. Sinnbildlich für die Hilflosigkeit der Adler ist das Spiel des Altmeisters Rui Costa in seinem letzten Derby. Der Weltstar in seinem letzten Jahr erinnert an den späten Balakov beim VfB Stuttgart. Er macht nicht viel falsch, er hält den Ball sicher, aber die entscheidenden Akzente setzt er immer seltener. In der unglücklichen Drangphase Benficas hat Sporting immer mehr Konterchancen. Und in der Nachspielzeit setzt Vuckevic den Endpunkt. Das Spiel endet 5:3 nach Toren für die Gastgeber. Sie stehen im Finale des Pokals. Dort erwartet sie im Nationalstadion der frisch gekürte Meister Porto. Erst dann wird sich zeigen, ob die Saison wenigstens für eine der beiden Lissaboner Mannschaften von Erfolg gekrönt sein wird.
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