Ganz Portugal ist von Portugal besetzt. Ganz Portugal? Nein! Auf einem kleinen Archipel knapp tausend Kilometer vor der europäischen Küste gibt es noch Widerspenstige, die sich dem mächtigen Imperium verwehren. Da kann es ja heiter werden, wenn der Imperator - pardon: der Präsident der Republik Portugal - zu Besuch kommt.
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Wenn es zu Hause schlecht läuft, spielen viele Politiker der Mitgliedstaaten der Europäischen Union gern ein einfaches Kinderspiel: Schwarzer Peter - und den schieben sie Brüssel zu. Nicht anders läuft es auf Madeira, das seit Jahrzehnten von einem Mann regiert wird: Alberto João Jardim. Der ewige Präsident der Autonomieverwaltung des zu Portugal gehörenden Archipels, gefällt sich in der Rolle des unbeugsamen Majestix. Seine Schwarzen Peter schiebt er nach Lissabon. Er wettert besonders gern gegen die böse portugiesische Zentralgewalt vom Festland. Kritiker werfen ihm freilich bisweilen paternalistische oder gar autokratische Amtsführung vor. Aber Jardim sitzt fest im Sattel. Seit 1978, zwei Jahre nach Beginn der Autonomie des Vier-Insel-Archipels, steht er der Autonomiebehörde mit Mehrheitsverhältnissen vor, wie wir sie in Deutschland nur aus Bayern kennen.
Der 65-Jährige sieht die Autonomie stets gefährdet. So auch vor gut einem Jahr. Im Februar 2007 legte er aus Protest gegen das neue Regionenfinanzierungsgesetz sein Amt nieder - nur um aus der Neuwahl mit einer noch größeren Mehrheit hervorzugehen. Eine der Lieblingsbeschäftigungen Jardims ist es, auf die Bürokraten aus Lissabon zu schimpfen, die den Inselbewohnern das Leben schwer machen. Vergangene Woche machte sich ein gewichtiger Festlandportugiese auf, Jardims Inselreich zu besuchen. Kein geringerer als Staatspräsident Cavaco Silva verbrachte fast eine Woche auf Madeira.
Während Cavacos Aufenthalt gab sich Jardim bedeckt. Und der portugiesische Staatschef verzichtete seinerseits, die sonst oft separatistische Rhetorik seines Parteikollegen zu erwähnen. Er hob lieber den “unzweifelhaften Erfolg unserer Demokratie” mit den autonomen Regionen hervor. Jardim sagte dazu gar nichts. Er trat derweil lieber noch einmal gegen die Opposition nach. Ein feierlicher Empfang im Parlament sei nicht etwa wegen der Probleme der Inselrepräsentanten mit dem Staatsoberhaupt abgesagt worden. Vielmehr habe man damit Cavaco einen großen Dienst erwiesen, meinte Jardim: “Das hätte das schlechteste Bild von Madeira abgegeben, diese Bande von Verrückten im Parlament.”
1 Leserbrief bisher. ↓
1 Eva // Apr 23, 2008 at 17:42
Schöne Texte - auch lustig. Gefällt mir gut!
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