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Ein Sonntag im Swan Valley

13. Mai, 2008 von Kathrin Lau · 2 Leserbriefe

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So langsam kündigt sich der Winter in Western Australia an, es wird bereits abends um fünf dunkel und die Feierabende und Wochenenden können nicht mehr uneingeschränkt am Strand verbracht werden. Also muss nach anderen Freizeitaktivitäten Ausschau gehalten werden. Und nach neuen Interessen. Wie zum Beispiel einer guten Flasche Wein.  

Bevor ich im vergangenen April nach Western Australia kam, bestand für mich die wochendendliche Weinauswahl meistens in der Frage, ob es denn dieses Mal der gute Wein aus dem Penny-Regal für 4,99 Euro sein soll. Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich seit meinem ersten Aufenthalt down under im Jahre 2004 schon immer sehr darauf bedacht war, dass  irgendwo auf der Weinflasche eine Känguru abgebildet ist. Ob die Trauben tatsächlich auf australischem Grund gedeihen durften, ist hier allerdings wohl mehr als fraglich. Wie dem auch sei, ob rot ob weiß, ob fruchtig, beerig oder vanillig im Abgang, vollmundig, mittelschwer oder leicht in der Note, gereift in Eichenfässern oder nicht: Ich war auf dem Gebiet der Önologie („Weinkunde“) ein absoluter Amateur. 

Western Australia, insbesondere der Südwesten des Staates, ist da vermutlich eine gute Adresse, um dieses Defizit auszugleichen. Margaret River ist ein kleines, sehr touristisch anmutendes Örtchen, circa 3,5 Stunden südlich von Perth gelegen. Entlang der zwei Hauptstrassen, die Margaret River mit der nächst größeren Stadt Bunbury verbinden, kann bei gefühlten 500 Wineries gestoppt werden und zumeist alles vom Sauvignon Blanc Semillion (in Kennerkreisen auch SBS genannt) bis hin zum Cabernet Sauvignon probiert werden. Leider reichen Zeit und Geld nicht immer aus, einen kompletten Wochenendausflug zu unternehmen und so ging es am vergangenen Sonntag ins Perth-nahe Swan Valley. Der mitunter etwas klapprige Bus, beladen mit 18 Australiern und zwei Deutschen (die Freundin einer Freundin einer Freundin hatte zur Abschiedstour eingeladen, da es betriebsbedingt nach Kanada gehen soll), machte sich um 11.00 Uhr auf den Weg in das rund 25 Minuten vom Zentrum der Stadt entfernte Tal. Auf einem 32 Kilometer langen „Scenic Drive“ reihen sich hier mehr als 80 Restaurants, Brauereien und Wineries aneinander. Nicht ganz so viele wie bei der großen Schwester Margaret River, aber genug für eine ausgedehnte Sonntagstour im Herbst. Der erste Stopp war die Lancaster Winerie. Neben Chenin Blanc, Chardonnay und einem Old Vines Shiraz wurde uns hier gleich auch mal einen ausgiebige Käseplatte gereicht; Käse und Wein - und das darf an dieser Stelle einfach nicht unerwähnt bleiben  - welch herrliche Kombination.
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Eine Flasche Chenin Blanc wanderte auch schnurstracks in meine Tasche.Weiter ging es dann zur Houghton Wine Company, die leider weniger durch die dargebotenen Weine als mehr durch die große Grünfläche bestach, auf der zahlreiche Muttertagsausflügler und dann auch wir, picknickten. Nach einem kurzen Abstecher in eine Rum Distillery landeten wir zum Abschluss bei den Olive Farm Wines. Hier wird bereits seit den frühen 30ern des 20. Jahrhunderts Wein produziert. Mit Hingabe und Enthusiasmus erklärte uns der Vinzer die einzelnen Jahrgänge, die Unterschiede in der Note und ließ uns auch die edlen Tropfen einer 120 Dollar Flasche probieren. img_1969_small.jpg 
 
Es bleibt ein Gefühl wie nach einem Kurzurlaub, wenn die Weingebiete Western Australias nach ausgedehnten Stunden wieder verlassen werden. Ein Trip in eine andere Welt, in der Geschmack, Sinn und Sinnlichkeit dominieren. Dann ist es auch nicht so schlimm, wenn ein paar Monate gewartet werden muss, bis die Strandsaison wieder beginnt.

Ich muss gestehen, in jeder Diskussion mit einem wahren Weinkenner würde ich hoffnungslos untergehen. Doch kann ich die Leidenschaft, die Bewunderung, die Verehrung für einen guten Wein heute weit besser verstehen, als noch vor ein paar Jahren. Als ich im Penny-Markt vor dem Weinregal stand und nach dem Känguru Ausschau gehalten habe.  

Tags: Perth

2 Leserbriefe bisher. ↓

  • 1 Annette // Mai 14, 2008 at 04:28

    Hallo Kathrin,
    ein sehr schoener Bericht und zusammen mit dem ersten Bild habe ich richtig Lust auf ein Glas westaustralischen Wein bekommen. Viele Gruesse nach Perth, Annette

  • 2 Oppi // Mai 18, 2008 at 11:22

    Na, das war doch ein schoener Ausflug… Und der Chenin schmeckt eine Woche danach immer noch genauso lecker.

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