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Istanbul – rauchfrei

19. Mai, 2008 von Dorte Huneke · 22 Leserbriefe

Ab heute also auch am Bosporus: Rauchen verboten. Und zwar in echt (in allen öffentlichen geschlossenen Räumen sowie vor Schulen, Unis, Sportstätten, selbst auf den Fähren zwischen Europa und Asien) und im Fernsehen.

Weil man für Zigaretten auf dem Bildschirm bald Bußgelder in Höhe von 500 bis 50.000 Euro zahlt (noch ist alles in der Eingewöhnungsphase), haben einige türkische Sender bereits angefangen, schwarze Balken vor die Gesichter ihrer Interviewpartner zu schieben. Den Rauch sieht man trotzdem. Macht nichts.

Die Istanbuler finden die neue Initiative gut (knapp 90 Prozent), aber unglaublich: jeder vierte Bewohner Istanbuls glaubt nicht daran, dass sich das Gesetz durchsetzen lässt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass türkische Raucher beim Essen oft das Messer zur Seite legen, um mit Gabel und Zigarette essen zu können.

Jeden Tag werden in der Türkei etwa 15 Millionen Packungen Zigaretten verkauft. Das Ergebnis sind - offiziellen Zahlen zufolge - jedes Jahr 100.000 Tabaktote. Schockierende Zahlen, die Premier Erdoğan – leidenschaftlicher Nichtraucher und energischer Kippen-aus-der-Hand-Reißer – zu drastischen Vergleichen verleitet: Tabak sei „gefährlicher als Terrorismus“.

33 Euro, oder die Spuren des Terrors

Wer trotz Verbot raucht, zahlt ab heute ein Strafgeld von rund 30 Euro. Ladenbesitzer, die ihre Kunden rauchen lassen, zahlen 25.000 bis 125.000 Euro. Eine auf die Straße geworfene Kippe kostet etwa 11 Euro. Auf die Straße spucken und Plastikbecher in den Bosporus werfen darf man weiterhin.

Und kauen. Ein schwedischer Radiojournalist und Tabakliebhaber nutzt derzeit gerne die Gelegenheit, sein türkisches Umfeld für eine rauchfreie, unter Schweden offenbar extrem populäre Alternative zu begeistern: Tabakstreifen, die man zum Bier zwischen Wange und Backenzahn klemmt und nach einer kleinen Ewigkeit wieder rausholt. Ich habe bislang allerdings noch keinen Türken erlebt, dem das geschmeckt hat.

Tags: Istanbul

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