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In the mood!

26. Mai, 2008 von Kai Schwind · 16 Leserbriefe

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Was zieht man eigentlich zu einem Interviewtermin mit einem Modedesigner an? Der Blick in den eigenen Kleiderschrank verursacht leichte Stress-Hitze-Wallung, aber ich entscheide mich, nicht „zu gewollt“ rüber zukommen und wähle ein dezentes Outfit. Ich bin verabredet mit Simen Staalnacke, der einen Gründerhälfte des norwegischen Modelabels „Moods of Norway“. Wir treffen uns im Clarion Hotel, schräg gegenüber von Oslos Hauptbahnhof, wo Simen gerade abgestiegen ist. Simen ist von Kopf bis Fuß in den bunten Farben und schrillen Motiven seiner eigenen Kreationen gekleidet und ich komme mir unglaublich deutsch vor.

Die Geschichte von Moods of Norway beginnt vor sechs Jahren auf Hawaii. Simen und sein Freund Peder Børrensen, beide Austauschstudenten, die sich in den Studienabschnitten in Australien und Hawaii kennen gelernt hatten, überlegen was sie als nächstes machen wollen und ersinnen das Konzept von „Moods of Norway“. Kleidung zu entwerfen, die schrill und traditionell zu gleich ist, ist ihre Idee. Schrill, weil die beiden Jungs selbst gerne wilde Farben und Formen kombinieren und traditionell, weil sie Motive und Geschichten ihrer Heimat Norwegen gerne anhand ihrer Kollektionen erzählen wollen. Wie erzählt man denn Geschichten in Form von Klamotten? Simen verweist auf sein T-Shirt. Dort befindet sich die Zeichnung eines typischen Traktors wie er in der norwegischen Landwirtschaft zum Einsatz kommt. Außerdem gibt es Shirts und Pullover mit Elchen (muss sein) oder norwegischen Erfindern oder thematische Reihen mit Jägern, die Cocktail Gläser in den Händen halten. Es ist ein bunter Stilmix. Klamotten, die man sowohl zum obligatorischen norwegischen „Vorspiel“ (dem heimischen Vorglühen bei erschwinglichen alkoholischen Getränken) als auch im Club oder in der Freizeit tragen kann.

Moods of Norway hat Kleidung für alle möglichen Stimmungen und das was diese Stimmungen zusammen hält ist Norwegen, erklärt Simen. Das kleine Label hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Gern gesehener Gast auf zahlreichen Fashionshows auf der ganzen Welt, Filialen u.a. in Skandinavien, Deutschland, Spanien, Jamaika, Japan, China und den USA und berühmte Fürsprecher wie Robbie Williams, Justin Timberlake oder Lisa Marie Presley, die die Moods Klamotten in der Öffentlichkeit tragen. Das exzessive Networking zahlt sich aus. Im letzten Jahr, erzählt Simen stolz, war er 270 Tage unterwegs.

Dabei ist der Kern der Moods of Norway Philosophie „Familie, Freunde und Party“. Das Hauptquartier des Labels liegt in Stryn, einem 5000 Einwohner Dorf an der norwegischen Westküste. Hier entwerfen Simen und Peder ihre Kollektionen und hier entstehen auch die meisten Kataloge. Die Arbeit bleibt in der Familie und so passiert es dann auch schon mal, dass Simens Oma plötzlich als Sonnenbrillen Modell in den Hochglanz Broschüren des Labels auf internationalen Modeschauen ausliegt. Für Simen und seine Freunde ist das völlig normal und wenn man ihn reden hört - hektisch aber sympathisch und ehrlich - dann wirkt die Geschichte echt und nicht wie eine aufgesetzte PR Attitüde.  

Am Abend treffe ich Simen zufällig wieder. Er sitzt mit einer Gruppe bunter Modeleute an einem großen Tisch im „Onkel Donald“ einem Restaurant/ Club in Oslos Innenstadt. Simen und Peder feiern die Eröffnung einer neuen Filiale in Oslo. Mit am Tisch, eine Cousine von Simen und zwei betrunkene amerikanische Modells. Die Stimmung steigt und Simen gibt reihenweise Cocktails aus. Jede Bewegung wird mit der Digitalkamera festgehalten.

Kaum einer bemerkt die junge Frau, die missmutig an der Bar sitzt und ab und zu dem lärmenden Tisch herüberschaut. Es ist die Gewinnerin der letzten Staffel von „Norwegens Next Topmodel“. 

(Bild oben: hinten Simen, vorne Peder)

Tags: Oslo

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