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Istanbul(almanya) guckt bei Kay’s

20. Juni, 2008 von Dorte Huneke · 1 Leserbrief

Wir haben gefeiert – bei Kay’s.

Mit den Portugiesen am Nachbartisch kommt man nicht so recht ins Gespräch. Komisch. Die Österreicher sind heute Abend auch eher störrisch. Aber die Türken sind nett. Beim dritten Tor kriegen wir noch mal nachgefüllt. Und fahren später am Abend Autokorso – mit dem Taxi, versteht sich, wer hat hier schon selbst ein Auto …?

Bei Kay’s in Cihangir (ehemals in deutscher Hand, die deutschen Gäste sind geblieben) gibt’s den Spiegel, Stern und so weiter zu lesen, außerdem italienische Küche, was bei deutschen Gaumen Heimatgefühle aufkommen lässt (Güneşli Sokak 32 = Sonnige Straße 32). Auf dem Klo, ganz adrett, die „Lokus-Gesetze“ oder, anders ausgedrückt, die „allgemeinen Sitzungsregeln” (auf Deutsch), das Bier wird auf Türkisch bestellt, Gleiches gilt für den Small-Talk vorm Klo, ansonsten hört man ein Wirrwar aus Amerikanisch, Österreichisch, Türkisch und Deutsch. Hinter uns erklärt ein Deutschlehrer einer armen türkischen Auserwählten seine Karrierelaufbahn (wären einschreitende Ohrfeigen hier schon Notwehr?). Pretender Ronaldo bringt Freude ins Haus - für Österreicher, Deutsche, Portugiesen und Türken gleichermaßen (und nein, er sieht nicht besser aus als Ballack, wobei die Damen ohnehin eher auf Lahm stehen, wie die Herren mittlerweile wissen sollten).

Morgen entscheidet sich also, ob nächsten Mittwoch unsere Elf gegen die Türkei oder Kroatien spielt. Ich kann spontan genau sechs Leute nennen, die – wohlgemerkt, heimlich (!) – den Kroaten die Daumen drücken, denn sonst stehen am Mittwoch diverse Beziehungen auf dem Spiel …

Tags: Istanbul

1 Leserbrief bisher. ↓

  • 1 Eva Baumann // Jun 20, 2008 at 16:28

    Auch Berlin sieht einem möglichen Halbfinale Deutschland - Türkei mit durchaus gemischten Gefühlen entgegen. Noch sieht man viel doppel Beflaggung und man drückt sich gegenseitig die Daumen (auch gegen die Kroaten!). Aber es herrscht doch auch die Sorge, dass es zu unangenehmen Begegnungen nicht-fussballerischer Art kommen könnte. Um so mehr vesichert man sich jetzt im Vorfeld gegenseitig bei jeder Gelegenheit der guten Beziehungen - unter Kollegen, in Geschäften oder in der S-Bahn. Das zumindest war heute mein Eindruck.

    Beste Wünsche nach Istanbul für das heutige Spiel jedenfalls. Und auch für die persönlichen Beziehungen, die hoffentlich auch einer Fussballkrise standhalten.

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