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Lissabon weint mit Ronaldo

20. Juni, 2008 von Moritz Alexander Heiser · Keine Leserbriefe

Sie hatten es sich alle so schön ausgemalt. Cristiano Ronaldo führt seine Mannschaft mit Kombinationsfußball zur Europameisterschaft und krönt sich selbst als Weltfußballer des Jahres. Doch dann kamen die Fußballer vom “Rumpelmärchen” (Zitat SZ) dazwischen. Lissabon trauert leise.

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Kurz vor dem Spiel, gestern um 19.37 Uhr Lissaboner Zeit, im Biergarten des Goethe-Instituts: Friedlich erwarten die Zuschauer, etwa je zur Hälfte Deutsche und Portugiesen, den Anpfiff des ersten Viertelfinals dieser EM. Auch der ehemalige deutsche Nationaltorwart Hans-Jörg Butt ist zum Zuschauen in den Biergarten gekommen. Er ist ein gefragter Interviewpartner. In der Luft liegt der Geruch von Bratwurst, auf den Tellern liegt golden glänzender Kartoffelsalat. Die Zapfhähne speien Bitburger. Es gibt Weizenbier aus der Flasche. Alles scheint wie bei einem ein Heimspiel.

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Anpfiff. Die deutsche Elf geht agressiv und geschickt ans Werk. Alle sind überrascht vom Auftreten der Mannschaft. Knapp zwei Stunden später ist klar: 3:2, Deutschland ist weiter! Im Goethe-Institut kennt der Jubel keine Grenzen. Die portugiesischen Besucher nehmen still Reißaus. Ein großer portugiesischer Fernsehsender hat ein Team geschickt. Die Jubelbilder vom Goethe-Institut gehen über die Bildschirme. Das Handy vibriert. Ein Freund schreibt besorgt aus Deutschland per SMS: “Pass auf dich auf!”

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Aber außerhalb des Goethe-Instituts ist es ruhig. Gegen halb zwölf Uhr wirken die Straßen leerer als normal - doch das ist wahrscheinlich nur Einbildung. Am Praça Marquês de Pombal, wo normalerweise die Siege der Nationalmannschaft gefeiert werden, ist es fast menschenleer. Keine fahnenschwenkenden Adeptos haben den Sockel der riesigen Statue in der Mitte des Platzes erklommen. Für Portugal ist die Bergtour beendet.

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Heute morgen, nimmt der Alltag seinen Lauf. Ihre Nationalflaggen haben die Lissaboner zwar noch nicht eingeholt, doch die Zeitungen an den Kiosken verkünden das “Ende des Traums”. Sie beklagen die angebliche Fehlleistung des Schiedsrichters bei Ballacks 3:1. Das ist auch die meistgehörte Kritik im Gespräch mit Portugiesen. Die meisten bringen trotzdem auch ein gepresstes “Parabéns!” (Glückwunsch) über die Lippen. Aber dass Deutschland gestern einfach besser war, das möchten hier die wenigsten einsehen.

Tags: Lissabon

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