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Istanbuler Gay Pride

29. Juni, 2008 von Dorte Huneke · 1 Leserbrief

Der durchschnittliche Türke tendiert zum Kichern, wenn von Schwullesbischem die Rede ist. Insofern gab es auch bei der heutigen Gay Parade, die vom Taksim-Platz die breite Einkaufsstraße Istiklal Caddesi runter zog, viele vergnügte, strahlende Gesichter.

Wobei die Situation für die Schwulen und Lesben der Türkei in den letzten Wochen wieder einmal ernst geworden ist.

Ende Mai wurde der wichtigste Homosexuellen Verein der Türkei „Lambda“ per Gerichtsentscheid aufgelöst. Lambda verstoße mit seinen Aktivitäten gegen türkisches Gesetz und türkische Moral – und gegen Artikel 41 der türkischen Verfassung, in welchem der „Frieden und das Wohl der Familie“ geregelt sind.

Das Statement von Lambda hierzu: „Wir interpretieren diese Vorfälle so, dass derzeit existierende lesbischschwule Organisationen in der Türkei – ob als Initiativen oder registrierte Vereine – in die Illegalität gedrängt werden sollen. Anstatt ihre Existenz zu akzeptieren und ihre Grundrechte zu sichern, haben sich staatliche Institutionen entschlossen, lesbischschwule Menschen zu verurteilen, in dem ihnen ihre Versammlungsfreiheit genommen wird.“

Türkische Schwule sind in der Regel Sänger, Künstler, Stararchitekten, Modedesigner, Prostituierte – oder verheiratet. Pro forma. Im bürgerlichen Leben haben gleichgeschlechtliche Beziehungen keinen Platz.

Lambda Istanbul legt gegen das Urteil Berufung ein.

Tags: Istanbul

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