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Zu Gast auf Gottes Resterampe – Bienvenido a Chile!

3. Juli, 2008 von Benjamin Loy · 29 Leserbriefe

Man kennt sich: Wie ein alter Bekannter grüßt der Aconcagua mit seinem 6962 Meter hohen und schneebedeckten Gipfel am Morgen die Fluggäste des Airbus 340 an der argentinisch-chilenischen Grenze, bevor es in langsamem Sinkflug hinunter geht nach Santiago de Chile.cordillera.JPG

Hinunter in eine Stadt, in ein Land, das in den westlichen Medien nur ein Zaungast ist, der bestenfalls für ein paar spektakuläre Bilder taugt, wenn wieder einmal einer seiner zahlreichen Vulkane Feuer und Asche speit. Zeit also, dieses Land am äußersten Südwestzipfel des amerikanischen Kontinents und insbesondere seine Hauptstadt in den nächsten Wochen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Chile- ein Land der Extreme. Der Besucher stößt an seine Grenzen: Nach Westen nichts als der weite Pazifik, weiter südlich kommt nur noch die Antarktis und im Osten stehen die Anden mit ihren Gipfeln wie ein riesiger Schutzwall. Eine populäre Legende besagt, in Chile habe der liebe Gott all das verbraten, was am Ende seiner Welterschaffung noch übrig war: eine große Wüste im Norden, fruchtbares Ackerland in der Mitte, Seen, Fjorde und Gletscher im Süden, das Ganze mit ein paar Vulkanen und mittlerweile rund 16 Millionen Menschen garniert. Über knapp 4300 Kilometer erstreckt sich das Land, dessen breiteste Stelle grade mal 240 Kilometer misst. Seinen spektakulären Natur-Extremen stehen die sozialen kaum nach .

Chile- auf den ersten Blick so etwas wie der wirtschaftliche Tiger und Musterschüler Südamerikas: konstante Wachstumsraten um die fünf Prozent, Halbierung der Armutsrate in den letzten zwanzig Jahren, seit Pinochets Ende eine stabile Demokratie, Inflationsraten unter vier Prozent und pro Kopf gesehen das reichste Land des Subkontinents. Aber eben hinter diesen zwei Wörtern, “pro Kopf”, verbergen sich die immer noch gewaltigen sozialen Unterschiede eines Landes, das laut einer UN-Studie in der ungerechten Verteilung der Einkommen in Südamerika nur noch Brasilien und Kolumbien vor sich hat. In dem eine gute Schul- und Ausbildung für weite Teile der Bevölkerung auf einem privatisierten Bildungsmarkt fast unerschwinglich ist und das sich als größter Kupferexporteur der Welt mit einem Haushaltsüberschuss eine teilweise katastrophale Gesundheitsversorgung leistet.

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An Themen soll es auf Gottes Resterampe also nicht mangeln in den kommenden Wochen, insbesondere in Santiago, dem unbestrittenen Zentrum des Landes, von wo ich den weltlaeufig-Lesern einen kleinen Eindruck von diesem so gegensätzlichen Land am Ende der Welt vermitteln möchte.

Tags: Santiago de Chile

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