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“Ausgerechnet heute die Neun!” - Smog-Roulette in Santiago

4. Juli, 2008 von Benjamin Loy · 19 Leserbriefe

Die Luft ist stickig, die Augen tränen leicht und in der Ferne lassen sich die Andengipfel hinter einem dichten Nebelschleier nur erahnen: Winterzeit ist Smog-Zeit in Santiago.santiago30std.jpg

 

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Santiago weltweit zu den Städten mit der schlechtesten Luftqualität- wenig verwunderlich, wenn man seine geographische Lage etwas genauer betrachtet. Die Stadt liegt in einem Talkessel, an zwei Seiten von den mächtigen Gipfeln der Anden bzw. des Küstengebirges umschlossen und auch an ihren Nord- und Südrändern von Hügeln begrenzt. Das Problem dabei: Im Großraum Santiago leben rund 5,5 Millionen Menschen, befinden sich zahlreiche Industriebetriebe, liegt der größte Flughafen des Landes, kurz: Tagtäglich werden hier enorme Mengen an Abgasen freigesetzt, die bei ungünstigen Wetterbedingungen zusammen mit der Kessellage zu “Esmog” führen, wie die Santiaguinos das ätzende Gemisch nennen.
Aus dem Flugzeug heraus sieht man die Stadt an solchen meist sonnigen und warmen Tagen wie unter einer dicken Nebel-Glocke:

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Smog-Zeit heißt in Santiago aber besonders für alle Autofahrer: Es beginnt das große Smog-Roulette, dann nämlich, wenn die Behörden “zum Schutz der Bevölkerung” Umweltalarm auslösen, was seit Ende Mai bis gestern bereits 19 Mal der Fall war. Beim sogenannten “Alerta ambiental” oder (eine Stufe schlimmer) “Preemergencia” hagelt es Fahrverbote- und die richten sich nach der letzten Ziffer des Auto-Kennzeichens, die ihrerseits in der Presse bekannt gegeben werden. So blieben beispielsweise am Mittwoch alle Fahrzeuge ohne Katalysator und alle übrigen, deren Kennzeichen auf 9, 0, 1 oder 2 endeten, zwischen 7.30 und 21 Uhr stehen, was am Morgen in der überfüllten Metro schon mal für leichten Unmut bei den Betroffenen sorgte: “Scheiße Mann, ausgerechnet heute die Neun, wo ich auswärts einen Termin hatte.”

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Immerhin eine Gruppe sah man aber doch mit fröhlichen Gesichtern: In einigen Schulen fiel aufgrund der bedenklichen Luftwerte der Sportunterricht aus…

Tags: Santiago de Chile

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