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„Doktor Tod“ auf der Spur

19. Juli, 2008 von Benjamin Loy · Keine Leserbriefe

“Operation Letzte Chance“ hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum vor fünf Jahren die Suche nach den letzten noch lebenden Nazi-Verbrechern getauft. Ganz oben auf der Liste: der KZ-Arzt Aribert Heim. Jetzt wurde „Doktor Tod“ angeblich in Chile und Argentinien gesehen.

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Sein Bild war Anfang des Monats in allen Medien: Aribert Heim, in Südamerika besser bekannt als „Doctor Muerte“. 315 000 Euro Belohnung hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des ehemaligen KZ-Arztes führen, und eine verstärkte Medienkampagne gefahren. Denn den Nazi-Jägern läuft die Zeit davon. 94 Jahre alt wäre Heim heute, wenn er noch am Leben wäre- wovon seine Fahnder allerdings ausgehen. Neue Nahrung erhalten diese Vermutungen und die Hoffnung auf eine Festnahme des gebürtigen Österreichers jetzt durch Berichte von vier Augenzeugen, die den „Doktor Tod“ in den letzten 45 Tagen zwischen der südchilenischen Stadt Puerto Montt und dem argentinischen Bariloche gesehen haben wollen, wie Efraim Zurof, Direktor des israelischen Büros des Wiesenthal-Zentrums, gestern in Buenos Aires verkündete.
Danach hätten die Zeugen Heim als „sehr alt, aber in gutem Zustand und selbstständig gehend“ beschrieben. Auch der Ort, an dem Heim gesichtet wurde, würde passen: Seine Tochter Waltraud lebt seit den 1970er Jahren im Süden Chiles, wobei Zurof nach einer gescheiterten Kontaktaufnahme angab, sie befinde sich allem Anschein nach momentan „außerhalb Südamerikas“.

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Mit Heim würde den Nazi-Jägern ein seit über 40 Jahren mit internationalem Haftbefehl gesuchter Verbrecher ins Netz gehen. Dem promovierten Mediziner und ehemaligen SS- und SA-Mitglied wird vorgeworfen, während seiner Tätigkeit als Lagerarzt im KZ Mauthausen 1941 gemeinsam mit dem Apotheker Erich Wasicky hundertfach Juden durch intrakardiale Giftinjektionen ermordet zu haben, wie Zeugenaussagen und eigenhändige Eintragungen in Operationsbücher beweisen. Zudem soll Heim, der nach dem Krieg und vor seiner Flucht nach Spanien zunächst weiter in Deutschland praktizierte, zu Übungszwecken, aus Langeweile oder Sadismus Häftlingen bei Operationen Organe entnommen haben.
Das fortgeschrittene Alter des Mediziners, so Efraim Zurof, sei bei der Suche nach ihm irrelevant, da „die vergangene Zeit seine Schuld nicht mindert“. Im Falle einer Ergreifung soll Heim der deutschen Justiz überstellt werden. Dass dies bald geschehen könnte, stimmte Zurof gestern zuversichtlich, der sagte: „Das Gute ist, dass wir jetzt den Druck auf Heim und seine Familie erhöht haben. Und wir alle wissen, dass Menschen unter Druck Fehler begehen.“

Tags: Santiago de Chile

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