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Riecht nur komisch…

18. August, 2008 von Kai Schwind · 20 Leserbriefe

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Am Wochenende ist das Oslo Jazz Festival 2008 zu Ende gegangen. Wie jedes Jahr steht das Festival am Ende einer beispiellosen Saisong, die im Juni mit „NorwegianWood“ im Frognerpark beginnt und im „Øya Festival“ Anfang August ihren Höhepunkt findet. Die Menschen in Oslo sind schlichtweg verwöhnt, wenn es um Musikfestivals geht, umso erstaunlicher, dass das Jazz Festival auch dieses Jahr wieder so gut besucht war.

Es ist ein smarter Schachzug der Organisatoren, die Veranstaltung auf viele verschiedene Clubs und Konzerthallen zu verteilen. So entsteht die Illusion, dass die ganze Stadt swingt und groovt und befreit den Jazz vom elitären und verstaubten Ruf. Große Namen müssen natürlich sein und die kamen auch dieses Jahr wieder: Mit Diana Krall in der Akershus Festung am Hafen und Dee Dee Bridgewater im Oslo Konsterhus waren gleich zwei große Damen des Vocal Jazz angereist. Die eine, Krall, ist ein echter „norgesvenn“ (eine Freundin Norwegens), hat sie doch in den achtziger Jahren einige Zeit hier gelebt und sich als Barpianistin durchgeschlagen. Seitdem ist sie der Stadt verbunden und sie kommt gerne hier her zurück. „I looove you Oslo“ heißt es dann vor ihrem Konzert –ein billiger Trick, aber er funktioniert. Kosmopolitischer geht es bei Dee Dee Bridgewater zu, die mit „Red Earth – A Malian Journey“ auf Spurensuche in Afrika geht. Dennoch, Krall und Bridgewater machen in Oslo hauptsächlich Station, weil es gut in Ihren europäischen Tourneeplan passt.

Die Highlights des Jazz Festivals in Oslo sind die lokalen Acts – die kleinen Projekte und Bands, die in den Reihen „nattjazz“ oder „unge talenter“ in angesagten Clubs wie dem Blå, Herr Nilsen, Etoile oder John Dee spielen. Hier zeigt sich nicht nur wie vielfältig die junge norwegische Jazzszene eigentlich ist, sondern auch wie gut die staatliche Förderung junger Talente funktioniert. Der Reichtum, den Norwegen durch die Ölfunde in den 70er Jahren erlangt hat, sickert langsam in die unteren Bereiche der Subventionsanträge durch und so blüht seit einigen Jahren die Kultur - und eben auch der neue norwegische Jazz.

Ein gutes Beispiel für eine solche Erfolgsgeschichte ist die Band „Beady Belle“. Gegründet von der aus Nord-Norwegen stammenden Sängerin Beate Slettevoll Lech, begann die Band Ende der 90er Jahre einen kometenhaften Aufstieg, zunächst in der norwegischen, dann auch in der internationalen Jazzszene. Beady Belles Musik wandert zwischen den Genres von traditionellem Vocal Jazz, Soul, Folk und Elektronika. Ausgebildet an Norwegens Hochschule für Musik in Oslo (Musikkhøyskole), sammelte Beate Slettevoll Lech zunächst Erfahrung als Sängerin und Frontfrau des Duos Folk & Røvere, bevor sie „Beady Belle“ gründet und mit Kollaboration wie mit Norwegens Newjazz Don Bugge Wesseltoft auf sich aufmerksam macht. Es folgen vier Alben, von denen das letzte „Belvedere“ im Frühjahr erschienen ist. Dort singt sie Duette mit India Arie und Jamie Cullum.

Von dieser Zusammenarbeit erzählt Beate zwischen den Songs, als sie letzten Mittwoch im Konzertsaal des „Parkteatret“, Mitten in Oslos hippem Viertel Grünerløkka auf der Bühne steht. Das Konzert ist ausverkauft, der Saal proppenvoll. Beate strahlt und schwärmt in ihrem breiten nord-norwegischen Dialekt wie schön es doch ist, wieder in Oslo beim Jazz Festival zu sein. Man glaubt ihr das sofort. Zwei Stunden spielen sie und ihre Musiker einen Mix aus den bisher erschienenen Alben und improvisieren was das Zeug hält. Bei Beates energetischer Scateinlage (dem rhythmischen Singen ohne Wortbedeutung) lässt ein Mann in der ersten Reihe vor Begeisterung sein Bier fallen. Kurze Zeit später riecht es in den vorderen Reihen nach einem komischen Mix aus Parfüm, Trockeneis, Schweiß und Bier.

Das passt hervorragend zum Motto des Festivals: „Jazz isn’t dead, it just smells funny.“        

Tags: Oslo

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