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Feminismus in Europa (II): Dänemark

8. September, 2008 von Elena Kuch · 1 Leserbrief

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Feminismus war in Dänemark noch nie out. Ganz im Gegenteil: Es gehört zum guten Ton feministisch zu sein und man müsste lange nach jemandem suchen, der sich nicht offen dazu bekennt. Ob Mädchen oder Frau: Es hat sich hier nie ausgeschlossen feministisch zu sein und dabei gut auszusehen, modern oder weiblich zu sein. Die ganz normale dänische Frau ist per definitionem ein Alphamädchen.

Die Frauenbewegungen und die Sozialdemokratische Partei haben seit den 60er Jahren viel erreicht und zu Themen, die in Deutschland noch heiß diskutiert werden, sind hier schon lange annehmbare Lösungen gefunden worden. Es wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass sowohl der Mann als auch die Frau arbeiten und dass ein Kind kein Karrierehindernis ist. Frauen stellen 47% der gesamten Arbeiterschaft und in der Kopenhagener Innenstadt sieht man vormittags fast so viele Männer wie Frauen mit einem Kinderwagen spazieren gehen. Studentinnen machen sich keine Sorgen, ob sie später zwischen Kind und Karriere wählen müssen, da es genug staatliche Krippen- und Kindergartenplätze gibt und vor allem gibt es eine ganz andere Kultur mit arbeitenden Müttern umzugehen. Das alles sind Gründe dafür, dass die dänische Geburtenrate 2007 bei 1,8 Kindern pro Frau lag, in Deutschland hingegen bei 1,4.

Doch trotz der vorderen Plätze in internationalen Rankings ist Dänemark das schwarze Schaf unter den skandinavischen Ländern. Anders als in Norwegen und Schweden gibt es keine Geschlechterquoten im öffentlichen Dienst sowie auf Spitzenpositionen. Hier schneidet Dänemark eher schlecht ab. Dieses Thema beschäftigt und verärgert junge Frauen am meisten, es wird viel diskutiert und es steht auch ganz oben auf der Agenda des 1999 eingeführten Ministeriums für Wohlfahrt und Gleichstellung – mit der Alphaministerin Karen Jespersen an der Spitze.

Wie gleichgestellt Männer und Frauen hier jedoch sind, spürt man täglich beim Gang zur Toilette. Es gibt in öffentlichen Gebäuden in der Regel keine Trennung zwischen Damen- und Herrentoiletten: Ein Zeichen für die dänische Liberalität und für Gendermainstreaming.

Tags: Kopenhagen

1 Leserbrief bisher. ↓

  • 1 Jan // Sep 8, 2008 at 21:23

    Darf man fragen für was dort eine Quote notwendig sein sollte? Man könnte meinen das entwickelt sich zum feministischen Klischee.

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