
Während in Deutschland über das Dekolleté der Kanzlerin und einen modernen Feminismus diskutiert wurde, treten die Frauen in der portugiesischen Öffentlichkeit deutlich leiser in Erscheinung: Die Feministinnen machen sich rar im Jahr 34 der portugiesischen Demokratie und selbst Frauen in Führungspositionen muss man hier mit dem Fernglas suchen.
Da sticht schon heraus, wenn die ehemalige Finanzministerin Manuela Ferreira Leite den Parteivorsitz der führenden Oppositionspartei übernimmt – wie im vergangenen Mai geschehen. Im südwestlichsten Land Europas ist also nicht der Typus Charlotte Roche, sondern höchstens der von Angela Merkel gefragt.
Denn: Der letzte große Wurf für Portugals Frauen war die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs im vergangenen Jahr. Diese Initiative wurde aber von der männlich dominierten sozialistischen Regierung vorangetrieben. Vorher trieben die Portugiesinnen illegal oder im benachbarten Spanien ab. Das portugiesische Abtreibungsgesetz galt als eines der strengsten in Europa. Als 2004 das “Abtreibungsschiff” der holländischen Pro-Abtreibungs-NGO „Women on Waves“ anrückte, schickte der damalige rechtskonservative (männliche) Verteidigungsminister gleich zwei Kriegsschiffe, um es am Einlaufen in portugiesische Gewässer zu hindern.
Doch es gibt auch weitaus weniger martialische Hindernisse für die weibliche Emanzipation. In einem Land, in dem immerhin noch 10 Prozent der Studentinnen der Vorzeigeuniversität Coimbra glauben, die Pille schütze auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten, werden Diskussionen um Körperflüssigkeiten ungern öffentlich geführt. Man führt sie schließlich auch nicht in der Schule. In Portugal bleiben Kinder unaufgeklärt – wenn sich nicht Eltern, Geschwister oder ältere Freunde erbarmen, die Heranwachsenden einzuweihen. Es gibt also noch einige Kämpfe zu kämpfen, bevor in Portugal der Feminismus 2.0 mit Skandalromanen und feministischen Streitschriften anrollen kann.
Keine Leserbriefe bisher. ↓
Keine Leserbriefe... Mach den Anfang!
Schreibe einen Leserbrief.