Seit knapp einem Monat bin ich nun hier und habe den Eindruck, mich schon ganz gut zurecht zu finden. Auch wenn man nicht dazugehört, zu den Gucci-Gucci-Girls [1], so ist Zürich doch sehr übersichtlich und gibt einem wenigstens das Gefühl, man kenne sich aus. Ein voreiliger Trugschluss.
Bei meiner Einreise musste ich mit meinem Hab und Gut aber noch durch den Zoll. Ausgerüstet mit Arbeits- und Mietvertrag, meiner Abmeldung sowie einer feinsäuberlichen Auflistung aller von mir eingeführten Güter stehe ich am Schalter des Zollbeamten und höre mich sagen: Guten Tag, ich würde gern nach Österreich einreisen. Ausgerechnet Österreich, wo doch die Schweizer die Ösis noch weniger leiden können als uns Deutsche. Der Zollbeamte erwidert, dass sei mein legitimer Wunsch, nach Österreich zu ziehen, dass sei gar kein Problem (Das ist gar kein Problem, ein Satz, den ich seitdem sehr häufig schon gehört habe, alles sehr unkompliziert hier), bloß er könne in diesem Fall leider nichts für mich tun.
Zwei Wochen zuvor war ich in Leipzig auf einer WG-Party in ein Gespräch verwickelt über Deutsche in der Schweiz und darüber, dass derzeit ja jeder jemanden kennt, der bald in die Schweiz geht oder gerade in die Schweiz gegangen ist. Mit Schweiz ist in den meisten Fällen Zürich gemeint, und tatsächlich wimmelt es hier vor Deutschen. So war die erste Person, die ich nach dem Weg gefragt habe, eine Deutsche.
An dem Gespräch in der Leipziger WG-Küche nahm auch jemand teil, der gerade aus seinem Auslandssemester in Bern zurückgekehrt war. Mir schoss durch den Kopf: Bern? Ist das nicht in Österreich?
[1] oder auch einfach nur „3G“ (gesprochen engl. „three gee“). Dieser Begriff bezeichnet eine vor allem auf der Bahnhofsstraße weit verbreitete Spezies zumeist im Rudel auftauchender Töchter aus betuchtem Hause mit Daddy`s Kreditkarte auf Shopping-Jagd.
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