weltläufig.de header image 1

Alles aussteigen!

12. November, 2008 von Kai Schwind · 30 Leserbriefe

tbane_oslo.jpg 

Die Osloer U-Bahn funktioniert nach ganz eigenen Gesetzen.

„Ich stehe hier jetzt schon seit über einer halben Stunde“, raunt die junge Frau in die bibbernde Runde auf der Plattform der Station „Majorstuen“ im Westen von Oslo. Da Norweger normalerweise jegliche Kontaktaufnahme zu Fremden in der Öffentlichkeit vermeiden, kann man sich vorstellen wie sehr es in ihr brodelt. Und sie ist nicht alleine. Unmut regt sich in der Hauptstadt. Die Osloer U-Bahn, genannt „T-Bane“, stammt aus einer anderen Zeit. Wohlgesonnen könnte man sie als „antiquarisch“ bezeichnen. 

Die klapprigen, roten T-Bane Wagons haben oft mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel (ich persönlich saß schon in einem Wagen „Baujahr: 1963“) und permanente Stromausfälle machen die Reise durch die Tunnel oft zur Geisterbahnfahrt. Obwohl seit drei Jahren auch moderne Züge der Firma Siemens über die Schienen fahren, häufen sich die Ausfälle, der Fahrplan wird fast nie eingehalten. Auch die Infrastruktur um und an den Stationen gibt Rätsel auf. Vor einigen Jahren wurden an jeder Haltestelle neue Automaten installiert, die aber nie in Betrieb genommen wurden. Diesen Sommer kamen dann an einigen Stationen neue Bildschirme hinzu, die einige Monate später wieder verschwunden waren. Touristen sind darüber hinaus nicht selten über den unflexiblen Fahrplan erstaunt. Auch am Wochenende fahren die letzten Bahnen Richtung Innenstadt zwischen 12 und 1 Uhr.

Warum die Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt so ein schwieriges Verhältnis zu ihrer U-Bahn hat, bleibt ungeklärt. „Es fehlt der Wille zur Investition“ spekulieren die Kommunalpolitiker und die große Tageszeitung „Aftenposten“ analysiert in ihrer gestrigen Ausgabe, dass das Problem in der städtischen T-Bane Werkstadt liege. „Zu wenig Personal, zu lange Wartezeiten“. Publicitytechnisch also keine smarte Strategie, dass der Preis für ein Einzelticket seit Jahren kontinuierlich ansteigt (derzeit 24 Kronen, also 2,60€).

Glück hat wer mit zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln kann, alle anderen freuen sich schon auf die kalten Tage auf der Plattform. Der Winter steht vor der Tür.  

Tags: Oslo

30 Leserbriefe bisher. ↓

Schreibe einen Leserbrief.