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Ich bin nicht Stiller. Oder: The stalker I kind of wanted to have

15. März, 2009 von Laura Kroth · Keine Leserbriefe

Die Ausstellung in der Haupthalle der ETH
Die transportable Wohneinheit des Stiller Stalkers

Schon vor meinem Umzug nach Zürich habe ich gern Max Frisch gelesen. Dieser war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Architekt. So hat er beispielsweise von 1947 bis 1949 das Freibad Letzigraben im Zürcher Stadtteil Albisrieden gebaut. 

Mir und meinem ungeschulten Auge war das Architektonische in Frischs Romanen bisher nie sonderlich aufgefallen, aber zum Glück gibt es Markus Seifermann. Der in London lebende Architekt vom Studio „Patalab“ hat der Romanfigur Stiller gleich eine ganze Ausstellung gewidmet. Seine Installation nennt er „The lost space of Stiller. Eine räumliche Annäherung“. Er hat damit wie er selbst sagt eine Interpretation des wohl bekanntesten Romans von Max Frisch geschrieben. In einer Art begehbaren Tagebuch dokumentiert Seifermann Indizien, die auf Stillers „wahre“ Identität hindeuten und vom „identity stalker“, seinem eigens für die Installation geschaffenen Konstrukt, gesammelt werden. Sein Vorhaben, Bruchstücke einer Biographie in mühsamer Kleinstarbeit zu einem großen zu einem Ganzen zusammenzufügen, ist zum Scheitern verurteilt ist. Denn der identity stalker, leidet am und im Zeitalter der Reproduktion. Es gibt keine neuen Gedanken mehr, nur noch Verweise auf immer wieder andere schon gedachte Gedanken. Seine Suche nach Beweisen für die Existenz des einzig wahren Stiller misslingt, denn „Wahrheit“, so der 70-jährige Max Frisch, „kann man nicht beschreiben, nur erfinden.“

Bei der Vernissage in der ETH Zürich konnte man sich selbst ein Bild machen von Stillers Spuren oder vielmehr von Spuren des imaginären Stiller-Stalkers. Da dieser keinen festen Wohnsitz hat, sondern überall seine transportablen Wohneinheit aufbauen kann, ist damit zu rechnen, dass man ihm in Zukunft auch über Zürichs Stadtgrenzen hinaus begegnen wird. Die folgenden Fotos von Uwe-Schmidt-Hess geben schon einmal vorab einen kleinen Eindruck der transportablen Wohneinheit des Stiller Stalkers.

Das Wohnzimmer
Das Wohnzimmer

Das Esszimmer
Das Esszimmer

Das Badezimmer mit dem Rasiertagebuch
Das Badezimmer mit dem Rasiertagebuch

Da Markus Seifermann selbst Deutscher ist, wird die Ausstellung unter anderem von der Botschaft der Bundesrepublik unterstützt. Ein Umstand, dessen ich mir erst bewusst wurde, als ich mit all den anderen deutschen Gästen um das letzte Glas Weißwein rang.

Tags: Zürich

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