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Sprung von der Liebesbrücke

28. April, 2009 von Andreas Ehrmann · 35 Leserbriefe

Die Liebesbrücke in Kiew gehört eigentlich zu den romantischsten Orten der Stadt. Ihren Namen verdankt sie den vielen Liebespaaren, die sich auf der Brücke ewige Treue schwören. Doch im Volksmund hat sie noch einen anderen Namen: Die Teufelsbrücke - wegen der vielen Selbstmorde, die sich hier ereignen.

Hunderte kleiner Schlösser hängen an dem Geländer der Liebesbrücke. Auf einigen sind Liebesschwüre eingraviert wie “Mischa + Tania für immer”. Die Liebesbrücke führt über die Petrowsker Allee und verbindet den Stadtpark mit dem Marinsky Park. 1921 hat der ukrainische Ingenieur Jewgeni Paton die schmale Gußeisenbrücke konstruiert. Schon bald erlangte das Bauwerk traurige Berühmtheit. Eine Schülerin, deren Geliebter während des russischen Bürgerkrieges ums Leben gekommen war, stürzte sich von der Liebesbrücke in den Tod.

Allein in den vergangenen neun Jahren sollen fünf Menschen an der Brücke Selbstmord begangen haben, gab das ukrainische Innenministerium bekannt.

Liegt ein Fluch über der Liebesbrücke?

Der letzte Selbstmord hatte sich am 8. April gegen 11.30 Uhr ereignet. Ein 16-jähriger Schüler sprang von der fünfzehn Meter hohen Brücke hinunter. Ein Autofahrer hatte die Szene beobachtet: “Ich sah einen jungen Mann in Jeans und Sportjacke. Der Junge blickte kurz über das Geländer, dann stieg er über die Brüstung und sprang”, sagte der Zeuge dem Boulevardblatt “Komsomolskaja Prawda”. Der Schüler soll sich jedoch nicht wegen Liebeskummer umgebracht haben, sondern wegen schlechter Schulnoten. Weil er kurz davor stand, von der Schule zu fliegen, waren die Eltern des Jungen an diesem Vormittag zu einem Gespräch beim Direktor einbestellt worden. Kurz vor seinem Tod hatte der Schüler eine letzte SMS an seine Eltern geschrieben: “Ich bin im Marinsky Park, bitte vergebt mir”.

Am 12. Januar 2006 stürzte sich eine 20-Jährige von der Brücke auf die stark befahrene “Petrowska Allee”. Sie landete 30 cm vor einem Auto, schrieb die Zeitung “Segodnja”. Einen Tag lang sollen die Ärzte um das Leben der jungen Frau gekämpft haben - vergeblich.

Nur einen Tag später, in der Nacht vom 13. Januar 2006 nahm sich ein Student an der Liebesbrücke das Leben. Über ein mögliches Motiv konnte die Polizei fast gar nichts herausfinden. Nur, dass er an der Nationalen Hochschule für Technologie und Design eingeschrieben war und Probleme mit der Uni gehabt haben soll. Auf dem Mobiltelefon des Studenten fand die Polizei eine letzte Nachricht seiner Freundin: “Komm zurück mein Schatz, mir ist so kalt ohne dich.”

Tags: Kiew

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