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Zwei von drei: Das Prinzip des Zürcher Kultursommers.

23. August, 2009 von Laura Kroth · 44 Leserbriefe

Zürich ist eine übersichtliche Stadt: Eigentlich braucht Zürich für einen gelungenen Kultursommer nicht mehr als die Migros, die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und den Tagesanzeiger. Diesen drei Institutionen verdankt Zürich zwei von drei kulturellen Großereignisse des Sommers.

Das Prinzip des Zürcher Kultursommers.

Den Auftakt machte am 1. Juli die 22. Stadtzürcher Seeüberquerung. Knapp 6000 Teilnehmer legten die 1450 Meter vom Strandbad Mythenquai quer über den See bis ins Strandbad Tiefenbrunnen zurück. Alle, die aus Gefühlen der Eitelkeit oder des Fremdschämens von einer Teilnahme an kollektiven Aufwärmübungen absahen, hatten spätestens auf halber Strecke das Nachsehen. Denn weder mangelnde körperliche Fitness noch fehlende Kondition, sondern schlicht die niedrige Wassertemperatur konnte für manchen Schwimmer einen erfolgreichen Abschluss der Veranstaltung gefährden. Nach rund 40-minütigem bitterkaltem Wellenbad erreichten aber auch jene eitlen Sportler das andere Ufer und nahmen mit blauen Lippen, schlotternden Knien und zitternden Händen einen Becher heiße Brühe dankend entgegen. Ein tolles Ereignis, so eine „Seeüberquerig“! Möglich gemacht u.a. durch die Migros.

Weiter ging es am 8. August mit der Street Parade, dem „farbigsten Outdoor-Event der Welt“. Da ich mich selbst an diesem Tag außerhalb Zürichs befand, kann ich an dieser Stelle nur berichten, was mir aus zweiter Hand über die Street Parade zugetragen wurde, nämlich dreierlei: Mein Kollege, der sich ehrenamtlich als Rettungssanitäter engagiert, freute sich über den durch Dauerregen begrenzten Besucheransturm, andere Freunde und Bekannte trafen sich in einem Hinterhof oder auf einem Dach, jedenfalls abseits des Gelages und ein ehemaliger Kommilitone erzählte mir einst von einem Familienurlaub in der Schweiz, bei dem er sich samt seiner Eltern rein zufällig unter volltrunkenen Holländern und kollabierenden Teenagern wiederfand. Schreckliche Geschichte. Ach so: Diese Großveranstaltung kommt übrigens ganz ohne einen meiner drei Lieblingssponsoren aus. Die Street Parade findet statt dank der freundlichen Unterstützung von Coca Cola.

Den Abschluss des Kultursommers bildet vom 13. bis 30. August das Zürcher Theater Spektakel auf dem Festivalgelände am Mythenquai. Das Theater Spektakel feiert in diesem Jahr sein 30jähriges Jubiläum und lädt jeden Abend zu zahlreichen Inszenierungen, Performances und Konzerten von Künstlern aus aller Welt ein. Die meisten Vorstellungen sind bereits wenige Stunden nach Beginn des Vorverkauf ausverkauft, ich durfte mich gestern zu den Glücklichen zählen, die ein Billet für das Stück des jungen brasilianischen Choreografen und Ex-Hip-Hopper Bruno Beltrão und seiner „Grupo de Rua“ ergattern konnten. Die Tänzer wirbelten geräuschlos über die Bühne, rollten rückwärts auf allen Vieren. Hier ein kleiner Eindruck von den brasilianischen Bewegungskünstlern.

Und wem hat das Theater Spektakel solche fantastischen Auftritte zu verdanken? Zwei seiner drei Hauptsponsoren Tagesanzeiger und Zürcher Kantonalbank. Alles schön übersichtlich, hier in Zürich.

Tags: Zürich

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