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Il me faut le code!

6. September, 2009 von Nadine Beisler · 37 Leserbriefe

Sehr interessant in Frankreich ist die Begebenheit, dass die Schlüsselbünde hier nicht mit so vielen Schlüsseln behangen sind wie in Deutschland. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Haustüren vieler Appartementhäuser mit Zahlencodes gesichert sind.

Panneaux de code d’accès

Bei der Angabe der Adresse - zum Beispiel bei einer Einladung zum Dîner - bekommt man hier in Paris immer noch eine kryptische Zahlen- und Buchstabenkombination dazu. Die sieht vielleicht so aus: B7A45 oder 1875A oder gar Y3607. Manchmal darf man sich sogar zwei notieren. Es gibt einen Code für die erste und einen Weiteren für die zweite Tür. Und in ganz feinen Häusern sollte man sich eine ganz lange Liste schreiben. Ohne diese steht man schon einmal etwas verloren vor der ein oder anderen Haustür…

Mein persönlicher Rekord liegt bei fünf verschiedenen Codes für ein Appartementhaus. Einen für den Vordereingang, einen Weiteren für die Tore im Garten, Einen für den Hintereingang im Untergeschoss und Einen für den Hintereingang auf Erdgeschossebene. Nicht zu vergessen, der Code für den Fahrstuhl ist ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit, denn die Treppen sind manchmal nicht leicht zu finden, deren Benutzung zum Teil sogar unerwünscht und überhaupt, ist die sportliche Aktivität direkt vor der Ankunft schlecht für den perfekten Auftritt beim Dîner.

In den letzten Jahren habe ich also einige Codes verschlissen, allein für die Hauseingänge, die mich zu meinen verschiedensten Unterkünften führten. Nun bin ich glückliche Mieterin eines kleinen Appartements mit zwar zwei Eingangstüren, die jedoch mit demselben Code zu öffnen sind. Als ich nun nach einem sechswöchigen Heimataufenthalt vor ein paar Tagen nach Hause kam, stand ich geschockt vor meinem Hauseingang. Ich hatte tatsächlich meinen eigenen Haustürcode vergessen und ihn auch nirgendwo notiert. Nach einigen Minuten panischen Wühlens in meinem Gedächtnis kam Gott sei Dank eine Nachbarin nach Hause und tippte vor mir den Code ein. Schon nach den ersten beiden Tasten kam mir der Code wieder ins Gedächtnis und bleibt dank dieses Erlebnisses hoffentlich möglichst lange dort eingebrannt.

Ich möchte nie wieder vor meiner oder einer anderen Tür stehen und denken: „Il me faut le code!“ (Ich brauche den Code!)

Tags: Paris

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