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Inländer oder Ausländer?

17. Oktober, 2010 von Moritz Alexander Heiser · 27 Leserbriefe

Die Hitze in Singapur ist dieser Tage so drückend, dass selbst den Möchtegern-Wachhunden vor den Villen der Schlafstädte das Bellen zu anstrengend ist. Vielleicht deshalb finden hitzige Debatten bevorzugt an eisschrankähnlich klimatisierten Orten statt. Die Sikh-Gemeinde lädt ins Marriott an der Orchard Road.

Bei der Diskussionsrunde geht es um ein leidiges Thema: die Privilegien der Permanent Residents (PRs), die vielen Singapurern ein Dorn im Auge sind. Tatsächlich genießen PRs viele Vorteile, die sonst nur Staatsbürger haben. Das permanente Aufenthaltsrecht in der Wohlstandsinsel Südostasiens, der Zugang zur medizinischen Versorgung und die exzellente Ausbildung ihrer Kinder im Stadtstaat sind nur einige Punkte. Dass Ausländer eine tragende Säule für Singapurs Wirtschaft sind, spielt für die Kritiker der großzügigen Bleiberechtsregelungen eine untergeordnete Rolle.

„Wenn es darauf ankommt, haben die PRs nicht die Pflichten der Bürger“, befürchtet ein Teilnehmer der Diskussion. Im Kriegsfall etwa flöhen die PRs schnurstracks in ihre Heimatländer. Deshalb, so die weitgehend einhellige Meinung, sollte Singapur weniger Menschen für unbefristete Zeit ins Land lassen – oder sogar Ausländern generell nur befristete Aufenthaltsgenehmigungen erteilen. Vizepremier Teo Chee Hean, der prominenteste Mann auf dem Podium, ist kein Freund solcher Ansinnen. Er benötigt nur drei Fragen um solche Anliegen überzeugend zurückzuweisen. Wie viele der Anwesenden sind Singapurer Staatsbürger? Etwa die Hälfte der Hände geht in die Höhe. Wie viele der Anwesenden haben einen Elternteil, der kein Staatsbürger ist? Drei Viertel heben die Hand. Und wie viele der Anwesenden haben Großeltern, die zugewandert sind? Jetzt reckt fast jeder seine Hand nach oben…

Tags: Singapur

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