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	<title>weltläufig.de</title>
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	<description>Die offizielle Seite einer bunteren Welt</description>
	<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 10:49:31 +0000</pubDate>
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		<title>Wie cool ist Sim-City?</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 10:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moritz Alexander Heiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Singapur]]></category>

		<category><![CDATA[Lifestyle]]></category>

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		<description><![CDATA[Kann eine Stadt cool sein? Und wenn ja, was für Eigenschaften muss sie dafür vorweisen? Muss sie eine hohe Techno-DJ-Dichte haben? Oder reicht es, wenn sich beliebige Künstler und Designer auf engstem Raum tummeln? Oder genügt es etwa schon, wenn S-Bahnen pünktlich fahren, die Shopping-Malls besonders glitzernd in der Gegend herumstehen und ein alternder Ex-Regierungschef [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2011/02/lee_kuan_yew_cohen.jpg" title="lee_kuan_yew_cohen.jpg" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2011/02/lee_kuan_yew_cohen.jpg" alt="lee_kuan_yew_cohen.jpg" height="260" width="360" /></a>Kann eine Stadt <em>cool </em>sein? Und wenn ja, was für Eigenschaften muss sie dafür vorweisen? Muss sie eine hohe Techno-DJ-Dichte haben? Oder reicht es, wenn sich beliebige Künstler und Designer auf engstem Raum tummeln? Oder genügt es etwa schon, wenn S-Bahnen pünktlich fahren, die Shopping-Malls besonders glitzernd in der Gegend herumstehen und ein alternder Ex-Regierungschef Weisheiten von sich gibt? Vermutlich ist es letzteres - zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man einer aktuellen Umfrage der <em>Straits Times</em> Glauben schenkt.</p>
<p>Auslöser der Umfrage der größten Singapurer Tageszeitung war die Einordnung Singapurs auf dem zweiten Platz im <em>CNN</em>-Ranking der coolsten Nationen. Topplätze in internationalen Rankings ist man in der südostasiatischen Metropole gewöhnt. Meist handelt es sich dabei aber um wirtschaftliche Daten (Wettbewerbsfähigkeit, Pro-Kopf-BIP, Produktivität) oder Bildungsranglisten. In den Gebieten, die ein Europäer als <em>cool</em> bezeichnen würde, hinkt Singapur aber ganz schön hinterher. Zwar hat Singapur mittlerweile eine große und hochfrequentierte Nachtszene, einige Festivals und Freizeitparks im Angebot. Inhaltlich präsentieren diese jedoch fast ausschließlich einen durchschnittlichen Mainstream. Gute Musiker müssen von weit her eingeflogen werden, lokale Bands beschränken sich aufs Covern internationaler Popsongs. Und die Freizeitparks sind - genau wie der Alkohol in den Bars - ein teures Vergnügen. Streetart muss man in Singapur mit der Lupe suchen, auf Graffiti etwa stehen drakonische Strafen wie Gefängnis und Stockhiebe.</p>
<p>Mit Singapur ist es ein bisschen wie beim Computer-Spiel <em>Sim-City</em> - aus der Vogelperspektive kann man die Stadt so schön planen und anlegen: Straßen, Bahnlinien und Versorgungseinrichtungen entstehen nach Schema F; Wohnen, Dienstleistungen und Industrien lassen sich perfekt aufeinander abstimmen. Doch das, was ein urbanes Gefühl beim Bewohner entstehen lässt, lässt sich nur bedingt planen. Es ist das Spontane, das Persönliche, das Unregulierte, mithin das Unberechenbare, was einer Stadt Persönlichkeit und damit einen Wiedererkennungswert und unter Umständen auch eine Portion <em>Coolness</em> verleiht. Da verwundert es nicht, dass auf dem zweiten Rang der &#8220;coolsten Ikone&#8221; Ex-Langzeit-Premierminister<em> Lee Kuan Yew</em> landet - direkt hinter: <em>&#8220;Mir fällt niemand ein&#8221;</em> auf dem ersten Platz&#8230;</p>
<p>Immerhin, die mehrheitlich einem Staatsfonds gehörende <em>Straits Times</em>, deren Journalismus oft eher Hofberichtserstattung ähnelt, zitiert auch ein paar kritische Stimmen. Die 21-jährige Studentin Esther Soh gibt, inmitten all des Jubeltaumels um Singapurs international beurkundete <em>Coolness</em>, zu bedenken: &#8220;Für einen Einheimischen ist nach einer Weile, egal wo man ist, nichts mehr cool.&#8221;</p>
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		<title>Der Regenwald brennt für Europas Klimaziele</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Oct 2010 06:53:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moritz Alexander Heiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Singapur]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[So viele Waldbrände gab es auf Sumatra seit Jahren nicht mehr. Auf Satellitenbildern der zweitgrößten indonesischen Insel sind unzählige Feuer zu sehen. Wie viele es genau sind, kann man nicht feststellen, weil Wolken und dichter Rauch die Sicht verdecken. Einfache Bauern und Plantagenbesitzer brandroden Regenwälder und Torfgebiete, um sie für Plantagen urbar zu machen. Soweit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So viele Waldbrände gab es auf Sumatra seit Jahren nicht mehr. Auf Satellitenbildern der zweitgrößten indonesischen Insel sind unzählige Feuer zu sehen. Wie viele es genau sind, kann man nicht feststellen, weil Wolken und dichter Rauch die Sicht verdecken. Einfache Bauern und Plantagenbesitzer brandroden Regenwälder und Torfgebiete, um sie für Plantagen urbar zu machen. Soweit ist das in Indonesien nichts Ungewöhnliches: der Archipelstaat hält den traurigen Weltrekord des rasantesten Urwaldvernichters der Erde. Schätzungen zufolge geht in Indonesien jeden Tag durchschnittlich eine vier Fußballfelder große Fläche Regenwald verloren.</p>
<p>Dass die Brände jetzt nicht nur Umweltorganisationen und die Menschen in den betroffenen Provinzen Indonesiens umtreiben, liegt vor allem am Wind. Seit über einer Woche bläst er in sehr moderater Geschwindigkeit aus Südwest-West und bläst den dichten Rauch über die Straße von Melakka auf die malayische Halbinsel und nach Singapur. Der Dunst ist so dicht, dass ein trüber Schleier über allem und jedem liegt. Die Sichtweite in Singapur sinkt bisweilen unter 50 Meter. „Früh morgens ist die Sicht schlechter als während des Tages. Ich konnte kaum 30 Meter weit sehen, verglichen mit den üblichen 100“, beklagt sich der Minibusfahrer Ramdass Nathan. Neben dem Verkehr leiden vor allem Menschen mit Atemwegserkrankungen, Kinder und Alte  unter den Bedingungen.</p>
<p>Thomas Banas arbeitet als Vertriebsmanager für eine Schifffrachtfirma in Singapur. Vor vier Jahren ist er wegen des Smogs aus Hongkong nach Singapur gezogen. Von seiner Wohnung im Luxusresort <em>Marina Bay Sands</em> hat er einen gigantischen Blick auf die Skyline des <em>Central Business Districts</em> – normalerweise. Der Familienvater gibt sich besorgt wegen des jährlich wiederkehrenden Dunsts: „Jedes Jahr werden wir daran erinnert, dass der Regenwald in Rauch aufgeht. Ich glaube nur, die Leute vergessen das, weil der Dunst wieder wegzieht.“ Aktuell ist die Sensibilität für das Thema in Singapur aber hoch. Der Luftverschmutzungsindex (PSI) erfährt auf der Website der <em>National Environment Agency (NEA)</em> eine stündliche Aktualisierung, auch <a href="http://twitter.com/NEAsg" onclick="javascript:urchinTracker('/outbound/article/twitter.com');">per Twitter</a>. Viele meiden seit Beginn der Luftverschlechterung den Aufenthalt im Freien. Der Gestank von feuchtem Verbrannten wabert in Singapur durch die Luft.</p>
<p>Dieser Geruch hat auch schon auf dem diplomatischen Parkett für Verstimmungen gesorgt. Während Singapur und Kuala Lumpur sich um die Gesundheit ihrer Bürger und die Einbußen der Tourismusindustrie sorgen, bleibt Jakarta angesichts der Feuer ganz gelassen. Ein Regierungssprecher gab in der indonesischen Hauptstadt zu Protokoll: „Das war nur eine Woche mit Rauch, aber die Leute machen schon so viel Aufhebens darum. Was ist denn mit all dem Sauerstoff den Indonesien ihnen während dem restlichen Jahr liefert?“ Außerdem seien ja auch Indonesier von dem Rauch betroffen. Singapur und Malaysia reagierten zurückhaltend auf die Provokationen ihres mächtigen Nachbarn. Ihr Hilfsangebot bei der Feuerbekämpfung schlug Umweltminister Gusti Muhammad Hatta trotzdem aus. Zwei indonesische Löschflugzeuge russischer Bauart, sollen der unzähligen Brandherde Herr werden.</p>
<p>Besonders in der malayischen Kleinstadt Muar sind die Auswirkungen der indonesischen Ignoranz zu spüren. Hier, etwa auf halber Strecke zwischen Singapur und Melakka, kletterte der PSI vergangene Woche bis auf rekordhafte 437. Das ist mehr als das vierfache der Untergrenze der „gefährlichen“ Luftbelastung. Die Schulen blieben vorübergehend geschlossen. Die Fischer konnten ihrer Arbeit nicht nachgehen. Wegen des dichten Dunsts wäre das Manövrieren in der Straße von Melakka für sie lebensgefährlich gewesen. Tan Yong Hwee, der stellvertretende Vorsitzende der Fischervereinigung, beklagte: „Die Quelle des Rauchs muss schnell bekämpft werden. Die Fischer haben ihre Einkommensgrundlage verloren.“</p>
<p>Die Plantagenbesitzer, die mutmaßlich für den Großteil der Brände auf Sumatra verantwortlich zeichnen, kümmern sich nicht um die Sorgen der Fischer in Malaysia oder die schlechte Luft für die Menschen auf Sumatra. Jedes Jahr aufs Neue ebnen sie riesige Flächen von Regenwald ein. Zwar ist dies auch in Indonesien illegal. Schätzungen der NGO „Life Mosaic“ zufolge reichen jedoch umgerechnet rund 3900 Euro Schmiergeld, um an eine 20.000 Hektar große Plantage zu kommen. Chefwaldbrandbekämpfer Noor Hidayat gestand gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ein: „Wir haben unser bestes getan, die Feuer in den Gebieten einzudämmen. Aber die Strafverfolgung ist schwach.“ Das Ziel der skrupellosen Plantagenbetreiber, hinter denen oft Agrarkonzerne stehen, ist die Errichtung von Palmölplantagen. Traditionell wird das Öl in der Küche und für Kosmetika verwendet. Die treibende Kraft hinter den riesigen Monokulturen, die allein in Indonesien bis 2020 ein Drittel der Fläche Frankreichs bedecken sollen, ist der Hunger Europas nach sogenanntem „Biosprit“.</p>
<p>Die Biokraftstoffpolitik der EU hat zum Ziel, bis 2020 den fossilen Treibstoffen zehn Prozent Biosprit beizumischen. Das Palmöl Indonesiens - des weltgrößten Exporteurs von Palmöl - ist für diese flächenintensive Strategie unerlässlich. Und während Europa so seine CO2-Bilanz aufbessert, verpuffen in Indonesien die Urwälder. Auch deshalb fordern Wissenschaftler und Umweltorganisationen wie <em>„Friends of the Earth“</em> schon lange die Abschaffung der entsprechenden EU-Richtlinie. Bisher sind sie damit in Brüssel und den europäischen Hauptstädten aber auf taube Ohren gestoßen.</p>
<p>Der Regen, der Samstag und Sonntag über Singapur und Malaysia fiel, brachte erste Luftverbesserungen. Die Sicht klarte spürbar auf, der PSI sank übers Wochenende schrittweise in den „guten“ Bereich. In den betroffenen Regionen der malayischen Halbinsel wurde immerhin die „mäßige“ Luftqualität erreicht. Auch in einer der indonesischen Provinzen fiel etwas Regen, in den anderen bleibt es weiter trocken und heiß. Afdhal Mahyuddin vom indonesischen Ableger der Umweltorganisation WWF findet das alarmierend: diese Witterung animiere die Farmer geradezu, Feuer zu legen. Das Forstwirtschaftsministerium in Jakarta hat am Freitag immerhin ein paar Zugeständnisse gemacht. Die angebotene Hilfe der Löschflugzeuge aus Malaysia und Singapur nahm es zwar weiterhin nicht an. Es schickte aber nach eigenen Angaben immerhin etwa 300 zusätzliche Feuerwehrmänner in die Waldbrandregionen.</p>
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		<title>Inländer oder Ausländer?</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Oct 2010 03:22:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moritz Alexander Heiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Singapur]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Hitze         in Singapur ist dieser Tage so drückend, dass selbst den         Möchtegern-Wachhunden vor den Villen der Schlafstädte das Bellen         zu         anstrengend ist. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font>Die Hitze         in Singapur ist dieser Tage so drückend, dass selbst den         Möchtegern-Wachhunden vor den Villen der Schlafstädte das Bellen         zu         anstrengend ist. Vielleicht deshalb finden hitzige Debatten         bevorzugt         an eisschrankähnlich klimatisierten Orten statt. Die Sikh-Gemeinde         lädt ins Marriott an der <em>Orchard Road</em>.</font></p>
<p><font>Bei der Diskussionsrunde         geht         es um ein leidiges Thema: die Pri</font><font>vilegien der <em>Permanent           Residents         </em>(PRs), die vielen         Singapurern ein Dorn im Auge sind. Tatsächlich genießen PRs         viele         Vorteile, die sonst nur Staatsbürger haben. Das permanente         Aufenthaltsrecht in der Wohlstandsinsel Südostasiens, der Zugang         zur         medizinischen Versorgung und die exzellente Ausbildung ihrer Kinder im         Stadtstaat sind nur einige Punkte. Dass Ausländer eine tragende Säule für Singapurs Wirtschaft sind, spielt für die Kritiker der großzügigen Bleiberechtsregelungen eine untergeordnete Rolle. </font></p>
<p><font>„Wenn es darauf ankommt,         haben die PRs nicht die Pflichten der Bürger“, befürchtet ein         Teilnehmer der Diskussion. Im Kriegsfall etwa flöhen die PRs         schnurstracks in ihre Heimatländer. Deshalb, so die weitgehend         einhellige Meinung, sollte Singapur weniger Menschen für unbefristete Zeit ins Land lassen – oder sogar Ausländern generell nur         befristete Aufenthaltsgenehmigungen erteilen. Vizepremier <em>Teo Chee         Hean</em>, der prominenteste Mann auf dem Podium, ist kein Freund solcher Ansinnen. Er benötigt nur drei         Fragen um solche Anliegen überzeugend zurückzuweisen. Wie viele         der         Anwesenden sind Singapurer Staatsbürger? Etwa die Hälfte der         Hände         geht in die Höhe. Wie viele der Anwesenden haben einen         Elternteil,         der kein Staatsbürger ist? Drei Viertel heben die Hand. Und wie         viele der Anwesenden haben Großeltern, die zugewandert sind?         Jetzt reckt fast jeder seine Hand nach oben&#8230;<br />
</font></p>
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		<title>Konservierte Aussichtslosigkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 19:22:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Moritz Alexander Heiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Paris]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	
Paris/Clichy-sous-Bois, Ende November 2009. Auf dem Boden der Parkfläche beschreibt der Ruß ein längliches Rechteck. Der Parkplatz liegt eingezwängt zwischen Wohnblöcken, deren gräulich-beige Fassade im matten Novemberlicht noch mehr erblasst. Wir befinden uns am Ortseingang von Clichy-sous-Bois. Hier, 15 Kilometer südlich von Paris, begannen im November 2005 die Unruhen, die Frankreich und Europa in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p lang="de-DE"><title></title> 	<!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } 	--></p>
<p><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2"><em>Paris/Clichy-sous-Bois, Ende November 2009.</em> Auf dem Boden der Parkfläche beschreibt der Ruß ein längliches Rechteck. Der Parkplatz liegt eingezwängt zwischen Wohnblöcken, deren gräulich-beige Fassade im matten Novemberlicht noch mehr erblasst. Wir befinden uns am Ortseingang von Clichy-sous-Bois. Hier, 15 Kilometer südlich von Paris, begannen im November 2005 die Unruhen, die Frankreich und Europa in ihren Bann zogen. Nur einen Steinwurf von den Blöcken entfernt, befindet sich das Rathaus der 30.000-Einwohner-Gemeinde. Die <em>Mairie</em> setzt mit ihrem französischen Landhausstil einen irritierenden Kontrapunkt zur rechteckigen Architektur der direkten Umgebung.</font></font></font><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/1_buergermeisterclichyredetx.jpg" title="Claude Dilain in der Mairie von Clichy-sous-Bois" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/1_buergermeisterclichyredetx.jpg" alt="Claude Dilain in der Mairie von Clichy-sous-Bois" width="358" height="269" /></a></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Im zweiten Stock erwartet uns Claude Dilain. Der Sozialist ist seit 1995 Bürgermeister der wohl berüchtigtsten Pariser Vorstadt. „Wir sind eine sehr arme Gemeinde“, gibt Dilain zu. Der Ausländeranteil ist mit rund einem Drittel hoch, etliche Migranten mit französischem Pass kommen noch hinzu. Aber das Hauptproblem, meint der Bürgermeister, sei die Isoliertheit: „Wir sind hier nur 15 Kilometer von Paris entfernt, aber es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel nach Paris.“ Aktuell wird der Bau einer Straßenbahn nach Clichy in der französischen Nationalversammlung diskutiert. Ein Thema, das in Deutschland regional geregelt würde, beschäftigt in Frankreich die höchste Gesetzgebung. 2015 soll die Tram fahren. Der Bürgermeister befürchtet eine Verzögerung bis 2020.</font></font></font></p>
<p><font color="#000000">„<font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Es wird noch immer ein Teil der französischen Bevölkerung vernachlässigt“, warnt Dilain, „es kann immer wieder zur Explosion kommen.“ In Clichy gibt es bei 20 Prozent Arbeitslosigkeit kein Arbeitsamt und keine Sozialkasse. Ebenso fehlt ein Polizeirevier. Der Bürgermeister vermutet dahinter den politischen Willen, die Armen an einem Ort zu bündeln und auszugrenzen.</font></font></font></p>
<p><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/2_lyceeeingangvergittertx.jpg" title="Der vergitterte Eingang des Lycée Alfred Nobel" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/2_lyceeeingangvergittertx.jpg" alt="Der vergitterte Eingang des Lycée Alfred Nobel" width="356" height="268" /></a></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Doch in einigen Bereichen scheint sich nach 2005 etwas zu tun. Sonderzonen für Bildung, die sogenannten ZEP, begünstigen Schulen in Problemvierteln. Eine dieser Schulen ist das Lycée Alfred Nobel. Der Eingangsbereich des fantasielosen Betongebäudes der Oberschule ist vergittert. Seit fünf Jahren müssen Besucher eine Sicherheitsschleuse passieren. „Hier müssen die Jugendlichen ihren Schülerausweis vorzeigen, um eingelassen zu werden“, erläutert Lydie Deluri, die Vize-Rektorin des Lycées. Waffenkontrollen werden aber nicht durchgeführt.</font></font></font></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Nur 60 Prozent der Jugendlichen in Clichy besuchen eine Oberschule. Die anderen sind meist ohne Perspektive. Einer der an seinem Abitur baut ist Abdel Bendahman. Der 17-Jährige besucht seit einem Jahr den werkschulischen Zweig des Lycée Alfred Nobel. Hier, in einer elektrotechnischen Spezialwerkstatt der Schule, werkelt er mit seinen Klassenkameraden an Modellen von Industrieanlagen: Vom Gabelstapler bis zur Solaranlage schrauben sie an allem herum. „Am besten liegt mir das Verkabeln“, bekennt Abdel. Eines Tages möchte er Elektroingenieur werden. Er glaubt nicht, dass sein Lebenslauf für seine beruflichen Ziele hinderlich sein könnte. Der Sohn algerischer Einwanderer klingt überzeugt: „Abitur ist Abitur!“ Statistiken widerlegen den Optimismus Abdels. Sie belegen, dass Jugendliche wie er im Berufsleben mit einer doppelten Benachteiligung zu kämpfen haben. Zum einen ist da das Auftauchen eines Problemviertels im Lebenslauf: Das reicht vielen Personalchefs schon, die Bewerbung abzulehnen. Und zum anderen ist da Abdels fremd klingender Familienname, der ebenfalls nachweislich zur Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt beiträgt.</font></font></font></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Doch diese strukturellen Probleme wollen sie auf dem Lycée nicht wahrhaben. Vize-Rektorin Deluri verweist lieber auf die Kooperation mit dem Sciences-Po. Die elitäre Pariser Hochschule für Politikwissenschaften hat eine Quote für Jugendliche aus Problemvierteln eingerichtet. Dass das nur einer handvoll Jugendlichen eine Perspektive bietet, wird dabei geflissentlich übersehen.</font></font></font></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Derweil ist wenige Kilometer Luftlinie entfernt der Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu seinem jährlichen Besuch in den Banlieues. In Bobigny spricht Sarkozy davon, die Anzahl von Überwachungskameras im öffentlichen Raum bis 2012 zu verdreifachen. Für den Präsidenten stellt sich die Frage der vernachlässigten Banlieues als ein sicherheitspolitisches Problem.</font></font></font></p>
<p><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/3_clichyparkplatzwohnblocksx.jpg" title="Ein demoliertes Auto auf einem Parkplatz" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/3_clichyparkplatzwohnblocksx.jpg" alt="Ein demoliertes Auto auf einem Parkplatz" width="384" height="289" /></a></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Auf einer Stadtrundfahrt durch Clichy-sous-Bois kann man hingegen die Vielschichtigkeit des Problems erkennen. Seitlich der holprigen Straßen erstrecken sich die heruntergekommenen Wohnblöcke, vor deren Kulisse die brennenden Autos und vermummten Jugendlichen 2005 im Fernsehen so bedrohlich wirkten. Hier wohnen viele Arme in beengten Verhältnissen. Sozialwohnungen entstehen indessen viele in Clichy-sous-Bois. Mit ihrer geringen Geschossanzahl, wirken die neuen Gebäude wie Schuhschachteln im Vergleich zu den bedrohlichen Riesen die sie flankieren. Hier zeigt sich jedoch das Dilemma der Stadtentwicklungspolitik: Viele der Block-Bewohner sind ohne Alternative - sie haben keinen Pass und können keine Sozialwohnung beantragen. Wird ihr Block abgerissen und durch Sozialwohnungen ersetzt, sitzen sie auf der Straße. Dadurch werden sie dem nächsten dubiosen Immobilienhai in die Fänge getrieben. Aber Abhilfe ist nicht in Sicht: „Solange ich Präsident der Republik bin, werde ich keine globale Legalisierung der Menschen ohne Papiere akzeptieren“, verkündet Sarkozy in Bobigny. Problemlösung heißt hier nur Problemverlagerung.</font></font></font></p>
<p><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/4_blickvomministeriumx.jpg" title="Blick vom Ministerium über Paris" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/4_blickvomministeriumx.jpg" alt="Blick vom Ministerium über Paris" width="354" height="266" /></a></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Am nächsten Nachmittag treffen wir Thierry Tesson. Der Stabsschef von Fadela Amara, der Staatssekretärin für Stadtentwicklungspolitik, empfängt uns im siebten Stock des Ministeriums. Vor dem Panorama des Eiffelturms spricht er über das Ziel seiner Behörde, die Kluft zwischen der Banlieue und dem Zentrum zu verringern. Auf das Problem der Schulabbrecher und Illegalen angesprochen, reagiert er ausweichend. Eigentlich gehe es doch nur ums Geld, meint Tesson: „Frankreich gibt viel Geld für Stadtentwicklungspolitik aus. Aber die Gemeinden setzen die Gelder nicht immer sinnvoll ein.“</font></font></font></p>
<p lang="de-DE"><font color="#000000"><font face="Verdana, sans-serif"><font size="2">Doch während Zentralstaat und Gemeinden sich gegenseitig des Aktionismus bezichtigen, bleibt der Kern des Problems unangetastet: Den bilden die Jugendlichen, die der Staat mit all seinen wohlgemeinten Projekten nicht erreicht - diejenigen ohne Schulabschluss und ohne Papiere.</font></font></font></p>
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		</item>
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		<title>Recherche. Reise. Paris</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 15:30:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp Braun</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Leser,
vor einiger Zeit erhielt ich eine Nachricht von Moritz Alexander Heiser, der 2008 für weltläufig.de aus Lissabon berichtet hatte. Er wies mich auf das Destillat einer seiner Recherchereisen hin, die ihn - unterstützt durch ein Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) und des Pressenetzwerk für Jugendthemen e.V. (PNJ) - nach Paris geführt hatte. Das Thema: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href='http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/globus.jpg' title='globus.jpg'><img src='http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2010/04/globus.jpg' alt='globus.jpg' /></a></p>
<p>Liebe Leser,</p>
<p>vor einiger Zeit erhielt ich eine Nachricht von <a href="http://www.weltlaeufig.de/author/mheiser/" >Moritz Alexander Heiser</a>, der 2008 für weltläufig.de aus <a href="http://www.weltlaeufig.de/category/lissabon/" >Lissabon </a>berichtet hatte. Er wies mich auf das Destillat einer seiner Recherchereisen hin, die ihn - unterstützt durch ein Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks (<a href="http://www.dfjw.org/" onclick="javascript:urchinTracker('/outbound/article/www.dfjw.org');">DFJW</a>) und des Pressenetzwerk für Jugendthemen e.V. (<a href="http://www.pressenetzwerk.de/" onclick="javascript:urchinTracker('/outbound/article/www.pressenetzwerk.de');">PNJ</a>) - nach Paris geführt hatte. Das Thema: „Jugendsozialarbeit in den Pariser Vorstädten” - vier Jahre nach den Unruhen in den Banlieues.</p>
<p>Kleiner Exkurs zum besseren Verständnis:</p>
<p><strong>Banlieue</strong> [bɑ̃ˈljø] (weiblich, französisch wörtlich Bannmeile, von lateinisch bannum leucae) ist der französische Ausdruck für eine Vorstadt im Sinne der Gesamtheit der Vororte einer Großstadt. Es ist nicht ein einzelner Vorort gemeint. Historisch entstand die Bezeichnung für den Bereich von einer Meile um die Stadt, der noch der städtischen Gerichtsbarkeit unterstand.</p>
<p><strong>Unruhe</strong> steht für:</p>
<p>    * subjektiv: das Gefühl mangelnder Ruhe<br />
    * sozial: Unruhen (pl.), Aufruhr, Revolte, Meuterei, Aufstand (Rebellion) usw.<br />
    * psychologisch: Nervosität</p>
<p>Soweit Wikipedia, nun zu dem, was Moritz vor Ort erlebt hat&#8230;</p>
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		<title>Einkaufen im Bildungsmarkt</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 23:48:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Loy</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Santiago de Chile]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Während der Großteil der Santiaguiner bei Temperaturen um die 35 Grad dieser Tage dem Weihnachtsfest entgegenhechelt, hält das Jahresende für die chilenischen Schulabgänger noch ein Bonbon bereit, das nicht nur über die Stimmung unterm Plastikchristbaum, sondern auch über ihre persönliche Zukunft entscheidet: die Ergebnisse der PSU.

Diese sogenannte Prueba de selección universitaria ist eine landesweite zentrale [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Während der Großteil der Santiaguiner bei Temperaturen um die 35 Grad dieser Tage dem Weihnachtsfest entgegenhechelt, hält das Jahresende für die chilenischen Schulabgänger noch ein Bonbon bereit, das nicht nur über die Stimmung unterm Plastikchristbaum, sondern auch über ihre persönliche Zukunft entscheidet: die Ergebnisse der PSU.</p>
<p><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/12/dsc01851.JPG" alt="dsc01851.JPG" align="middle" height="300" width="400" /></p>
<p>Diese sogenannte <em>Prueba de selección universitaria</em> ist eine landesweite zentrale Auswahlprüfung, deren Ergebnisse dieser Tage veröffentlicht wurden und die darüber entscheiden, wer was an welcher Universität in Chile studieren kann und darf.<br />
Warum aber sollte das (selbst den kosmopolitischen) deutschen Leser interessieren? Ganz einfach: Wer einen Blick auf die PSU und die grundsätzliche Einrichtung des chilenischen Bildungssystems wirft, dem werden einige Parallelen zu den Entwicklungen in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht verborgen bleiben. Aber der Reihe nach:</p>
<p><strong>1. Die Macht des Marktes:</strong><br />
Stolz wie die Spanier waren die Chilenen vor einigen Wochen, als man als 31. Land in die OECD aufgenommen wurde. Für viele war es der Beweis, dass Südamerikas wirtschaftlich am besten dastehendes und am weitesten entwickeltes Land endgültig im Konzert der &#8220;Großen&#8221; angekommen ist. Für das Bildungssystem kann das allerdings nicht gelten, denn dort herrscht weiterhin das größte Problem des Landes: extreme Ungleichheit. Die grundsätzliche Einrichtung dieses Bildungssystems ist noch immer ein Erbe der nun vor beinahe 20 Jahren untergegangenen Pinochet-Dikatur, welche dem Bildungssystem das gleiche Heilmittel verabreichte wie zuvor schon der Rentenversicherung, dem Gesundheitssystem oder einem Großteil der nationalen Gewässer: Privatisierung. Dies führte, grob gesagt, im chilenischen Schulwesen zu einer Dreigliederung, die heute den Kern allen Übels darstellt: Zum einen existieren da die sog. <em>colegios particulares</em>, d.h. Privatschulen, die ihre Klientel klar nach Marktprinzip auswählt: Willkommen ist, wer zahlen kann. Diese Privatschulen, zu denen auch beispielsweise die angesehenen Deutschen Schulen zählen, bieten so ziemlich alles, was das Elternherz begehrt, vom besten Lehrpersonal über Sportstadion, Schwimmbad und eigenes Ferienheim bis zur schuleigenen Hauskirche, wo der Nachwuchs andächtig für seine armen Landsleute betet, die irgendwo da draußen hinter dem hohen Schulzaun ihr Dasein fristen. Das alles hat natürlich seinen Preis: Wenn man bedenkt, dass pro Kind auf einer durchschnittlich guten Privatschule monatlich umgerechnet durchaus mal um die 300 Euro fällig werden, dann kann man sich in einem Land mit einem Mindestlohn um die 200 Euro vorstellen, wessen Kinder da in diesen Gefilden unterwegs sind.</p>
<p>Sozusagen die zweite Kategorie des Schulsystems bilden die sog. <em>colegios particulares-subvencionados</em>, d.h. meist Schulen kirchlicher Träger, welche sich anteilmäßig über Schulgeld und öffentliche Zuwendungen finanzieren. Beinahe jede chilenische Familie, deren Kinder nicht mit der Rolex am Handgelenk auf die Welt kommen, aber es mal zu etwas bringen sollen, versucht, ihre Kinder irgendwie auf einer dieser Schulen unterzubringen, auch wenn sie sich das Schulgeld von rund 100 Euro im Monat vom Munde absparen müssen. Dies wird vor allem dann verständlich, wenn man die Realität der dritten Kategorie, der sog. <em>colegios subvencionados</em> kennt: Dank General Pinochet hat sich der ansonsten so mächtige chilenische Zentralstaat bei der Bildung fein aus der Affäre gezogen, weshalb für die öffentlichen Schulen in Chile die jeweiligen Kommunen zuständig sind. Das funktioniert im Endeffekt nach dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Oder umgekehrt: Die ohnehin schon ärmsten Kommunen, wo der überwiegende Teil der Kinder auf kostenlose öffentliche Bildung angewiesen ist, haben pro Kopf gesehen die geringsten Investitionsmöglichkeiten für ihre Bürger, die sie am dringendsten bräuchten.</p>
<p>Die Gegensätze sind dementsprechend krass: Während die Privatschulen um den Nachwuchs des Geldadels mit <em>playgroups</em>, also Kleingruppen mit Englischunterricht, schon für Kleinkinder kämpfen, zwängen sich in den öffentlichen Schulen bis zu 60 Kinder pro Klasse in baufälligen Gebäuden unter Aufsicht überforderter und verständlicherweise frustrierter Lehrpersonen, für die natürlich ebenfalls der Matthäus-Effekt gilt: Wer als Lehrer noch alle Kugeln am Christbaum hat, sieht zu, auf einer gemütlichen, gut zahlenden Privatschule unterzukommen, um nicht am Ende in der Vorhölle irgendeiner öffentlichen Einrichtung den täglichen Kampf mit den verlorenen Seelen aus den Armenvierteln ausfechten zu müssen. Dass es die seit 20 Jahren regierende Mitte-Links-Koalition der <em>Concertación</em> nie geschafft hat, dieses System aufzubrechen, ist eines ihrer größten Versäumnisse. Dass sich jetzt allerdings die politische Rechte, die eine Verfassungs- und damit eine Bildungsreform über Jahre im Senat blockierte, damit brüstet, das Bildungssystem besser und gerechter machen zu wollen, darf getrost als schönes Beispiel politischen Zynismus&#8217; gewertet werden.</p>
<p><strong>2. Maultiere und Rennpferde:</strong><br />
All diese Unterschiede - und damit zurück zum Ausgangsthema- interessieren allerdings nicht mehr, wenn die große PSU ansteht. Die berücksichtigt nämlich nicht, wer wo zur Schule gegangen ist. Auf der Rennwiese würde das in etwa bedeuten: Der arabische Millionenhengst, der Zeit seines Lebens unter der warmen Sonne Dubais das beste Trainig und das gesündeste Futter erhalten hat, startet im gleichen Lauf wie das bolivianische Maultier, das seit Geburt an jeden Tag mit seinen krummen Beinen durch die Anden gestiegen ist und am Ende des Tages über ein trockenes Brot froh sein musste. Bei der PSU aber interessiert das alles nicht, am Ende zählt die Punktzahl, welche darüber entscheidet, wer was wo studiert - wenn er die Mittel dazu hat. Darüber hinaus kann man sich auch fragen, welche Folgen eigentlich dieses Messinstrument für Wissen, die PSU, wirklich hat: überwiegend aus Multiple Choice-Fragen bestehend, werden die chilenischen Schüler ab der Mittelstufe permanent auf eben dieses System getrimmt. Nur wirklich böse Zungen wie die meine würden behaupten, dass darin der Grund dafür liegt, dass viele chilenischen Studenten immer dann der Schweiß ausbricht, wenn sie plötzlich gefordert sind, Essays zu schreiben oder andere Aufgaben zu erfüllen, deren geistige Anforderung über das korrekte Setzen eines Kreuzes im richtigen Kästchen hinausgeht&#8230;</p>
<p><strong>3. Einmal Hochschulstudium, bitte:</strong><br />
Sind die PSU-Ergebnisse dann da, geht der große Run auf die Universitäten los. Universität - darunter darf man sich in Chile nicht zwangsläufig das vorstellen, was man aus Europa gewohnt ist. Solange nämlich einige rechtliche Rahmenbedingungen erfüllt, kann hier so ziemlich jeder seine eigene aufmachen und diese dann auch so nennen. Dies führt dazu, dass allein hier in Santiago eine solche Vielzahl an &#8220;Universitäten&#8221; existiert, dass man an beinahe jeder Straßenecke eine finden kann, die in Größe und Schülerzahl in einer durchschnittlichen deutschen KiTa in Vorpommern entspricht. All dies ist natürlich auch ein Verdienst des Marktes: Jeder sucht sich das aus, was er möchte und er bezahlen kann. Die Jagd um die Studenten nimmt dabei gerade in der Zeit vor Weihnachten jedes Jahr krassere Formen an, wenn die Universitäten mit ihrer Werbung Metrostationen, Großwerbetafeln und Fernsehspots anfüllen, um ihre &#8220;Kunden&#8221; zu werben. Zwar gibt es staatliche Einrichtung wie die alte, prestigträchtige Universidad de Chile, aber hinsichtlich der Studiengebühren unterscheiden diese sich nicht von den zahlreichen Privaten: je nach Studiengang und Uni können sich die Gebühren hier zwischen 200 (Religion an einer mittelmäßigen Hochschule) und 800 Euro (Medizin an einer Bonzenhochschule) bewegen- im Monat wohlgemerkt. Ohne hier wieder den chilenischen Durchschnittslohn bemühen zu wollen, ist wohl jedem klar, dass derartige finanzielle Belastungen nur durch ein Mittel getragen werden können, mit dem sich der schöne Kreis der Marktwirtschaft dann wieder schließt: ein Bankkredit mit netten Zinsen, der sicher stellt, dass man nach auch nach Studienende für einige Zeit nicht ruhig schlafen wird.</p>
<p>Was hat das alles mit Deutschland zu tun? Natürlich soll man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber wenn man die Tendenzen der letzten Jahren betrachtet, ist die Richtung durchaus klar: das Bürgertum flüchtet mit jedem Jahr in größerer Zahl in die wie Pilze aus dem Boden schießenden Privatschulen, aus Angst, der Nachwuchs lande unweigerlich in der Gosse, wenn er nicht mit spätestens sieben Jahren die ersten Sätze Mandarin fehlerfrei artikulieren kann. Alle Kultusminister stürzen sich der Reihe nach wie die Lemminge ins G8-Getümmel aus lauter Angst, dass ein zusätzliches Schuljahr mittelfristig den sicheren Untergang der deutschen Wirtschaft wegen mangelnder &#8220;Wettbewerbsfähigkeit&#8221; bedeute (aus dem Mund manches Parteibücklings, der es durch Seilschaften auf den Ministerposten geschafft hat, klingt dieses Wort freilich so qualifiziert, wie eine Aussage des Papstes über Wege zu erfüllendem Sex). Und seit in den deutschen Universitäten die stark überteuerte Reforma bolognese ausgebrochen ist, wundert man sich ja eigentlich über gar nichts mehr&#8230;</p>
<p>Was hat das alles mit Entwicklungspolitik zu tun? Einiges. Zwar ist Chile sicherlich kein Entwicklungsland mehr und schickt sich an, in den nächsten fünf Jahren endgültig das Niveau Portugals und Italiens zu erreichen. Andererseits aber muss man sich als Chilene und auswärtiger Sympatisant des Landes einfach nur die Haare raufen, wenn man sieht, wie die politische und wirtschaftlich Elite über die Entwicklungspotentiale des Landes schwadroniert und sich dabei selbst in die Tasche lügt: Chile macht sein schönes BIP mit Kupfer, Früchten, Wein, Lachs und Holz, d.h. mit Rohstoffen, die es exportiert. Wer aber in der OECD wirklich zu den Großen gehören will, muss auf dem sekundären und tertiären Sektor angreifen - wofür man wiederum ein funktionierendes Bildungssystem als Voraussetzung benötigt. Dass bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl mit Sebastián Piñera der Kandidat der Rechten dicke 44 % einfuhr und damit klarer Favorit der Stichwahl im Januar ist, lässt allerdings Zweifel aufkommen, dass die Mehrheit hierzulande verstanden hat, um was es wirklich geht. Kleiner Trost: Als Milliadär mit eigenem Fernsehkanal und Teilhaber am größten Fußballklub des Landes, käme man mit Piñera an der Spitze des Landes Italien immerhin diesbezüglich auf einen Schlag ziemlich nahe&#8230;</p>
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		<title>(L) Ost in Paris</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 21:04:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nbeisler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Paris]]></category>

		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

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 In den letzten Wochen habe ich meine nationale Identität – unabhängig von der Diskussion der französischen Nationalidentität – einige Male reflektiert.

Der 9. November wurde schon im Oktober mit vielen Dokumentationen über die DDR und den Mauerfall medial vorbereitet. Ich war froh endlich – nicht wie sonst – ständig  mit Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><title></title></p>
<p align="JUSTIFY"> <font face="Arial, sans-serif">In den letzten Wochen habe ich meine nationale Identität – unabhängig von der Diskussion der französischen Nationalidentität – einige Male reflektiert.</font></p>
<p align="JUSTIFY"><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/11/ddr-in-paris.jpg" title="DDR BRD FRANCE EU" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/11/ddr-in-paris.jpg" alt="DDR BRD FRANCE EU" width="486" height="311" /></a></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Der 9. November wurde schon im Oktober mit vielen Dokumentationen über die DDR und den Mauerfall medial vorbereitet. Ich war froh endlich – nicht wie sonst – ständig  mit Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg konfrontiert zu werden. Doch schnell zeigte sich, dass einige Dokumentationen falsche Informationen und Bilder der DDR verbreiteten. </font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Als Deutsche begegne ich oft dem Thema der beiden Weltkriege - im Rahmen von Filmen und Dokumentationen, aber auch im Zuge der  Feiertage oder mittels kleiner Jungs gyanischer Herkunft, die in der Schule mit „Halt“-Rufen gepaart mit einer  Art Hitlergruß vor mir salutieren. Der schwierige und vor allem undifferenzierte Umgang mit Geschichte vieler Franzosen wird hier offensichtlich.</font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Als „Ostdeutsche“ jedoch wird meine persönliche Nationalidentität, die sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt (u.a. Kindheit in der DDR), auf Gröbste durch den französischen Umgang mit Geschichte beleidigt. Ich ernte normalerweise überraschte Gesichtsausdrücke oder mitleidige Blicke, wenn Menschen erfahren, dass ich in der ehemaligen DDR geboren wurde. Überraschung, weil damit eine Folge  des Mauerfalls (Zonenkind macht Auslandsstudium) für sie sichtbar und spürbar wird. Denn ich wäre niemals in Paris, wenn die Mauer nicht vor 20 Jahren gefallen wäre. Mitleid dafür, dass ich meine ersten Lebensjahre in einem totalitären Staat verbringen musste.</font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Zwei Erlebnisse haben mich besonders geprägt:</font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Vor einem Jahr fragte mich ein guter Freund, ob wir denn immer etwas zu essen gehabt hätten in der DDR. Aus dem Fernsehen von damals wisse er, dass die Menschen in der DDR im stetigen Mangel gelebt hätten. Ich war zunächst einmal sprachlos</font><font face="Arial, sans-serif">, klärte ihn aber auf, dass wir zwar nicht immer Alles, aber doch Manches gehabt haben. Vor allem Lebensmittel.<br />
</font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Außerdem lässt mich eine andere Begegnung bis heute nicht in Ruhe. Ich war in meinem ersten Jahr in Paris bei einer Lehrerkollegin zu einem Dîner eingeladen. Ich habe nicht nur ihre Kinder sondern auch ihre über 80jährige Großmutter kennen gelernt. Sie erzählte von ihrer Jugend und wie sie Nazioffiziere in ihrer Heimatstadt immerzu in die falsche Richtung geschickt hat, wenn diese nach dem Weg fragten. Das war ihre Art der Rebellion gegen die „Occupation“ (Besatzung). Ich bewunderte sie für ihr Handeln, dass sowohl von Mut als auch von Dummheit und jugendlicher Rebellion zeugte. Denn sie hatte nicht wenige junge Männer gesehen, die von eben jenen Besatzern sogar grundlos erschossen wurden. Doch als sie mit ihrer Enkelin erfuhr, dass ich im Osten Deutschlands geboren bin, sahen mich beide an, als sei ich ein seltenes Tier im Zoo. Ich weiß bis heute nicht, wie ich darauf reagieren soll. </font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">Vielleicht war die weltweite Beschäftigung mit dem Mauerfall von 89 schon allein deshalb sinnvoll, weil in vielen Dokumentationen weltweit auch einige Wahrheiten über die DDR verbreitet wurden. </font></p>
<p align="JUSTIFY"><font face="Arial, sans-serif">PS: Gleich nach den Feierlichkeiten zum Mauerfall schlossen sich übrigens das Feiern der Armistice, dem deutsch-französischen Waffenstillstand von 1918, an. Im Fernsehen liefen – was sonst? – diverse Kriegsdokumentationen.</font></p>
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		<title>Feindliche Übernahme</title>
		<link>http://www.weltlaeufig.de/2009/10/09/feindliche-ubernahme/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 19:59:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aehrmann</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Kiew]]></category>

		<category><![CDATA[Menschen]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war wie in einem Gangsterfilm: Zwei Auftragskiller stürmen in einen Möbelmarkt, zücken ihre Pistolen und eröffnen das Feuer auf den Inhaber des Shopping-Centers. Leibwächter stellen sich ihnen entgegen. Eine wilde Schießerei. Am Ende gibt es vier Tote. Der Drahtzieher soll ein berüchtigter Unterweltboss sein. Dieser wollte vermutlich das Geschäft an sich reißen. Solche &#8220;Raider-Attacken&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war wie in einem Gangsterfilm: Zwei Auftragskiller stürmen in einen Möbelmarkt, zücken ihre Pistolen und eröffnen das Feuer auf den Inhaber des Shopping-Centers. Leibwächter stellen sich ihnen entgegen. Eine wilde Schießerei. Am Ende gibt es vier Tote. Der Drahtzieher soll ein berüchtigter Unterweltboss sein. Dieser wollte vermutlich das Geschäft an sich reißen. Solche &#8220;Raider-Attacken&#8221; sind in der Ukraine keine Seltenheit. <a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/10/kiew-video-web.jpg" title="kiew-video-web.jpg" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/10/kiew-video-web.jpg" alt="kiew-video-web.jpg" /></a></p>
<p>Die ganze Ukraine redet über das Blutbad, das sich vergangene Woche in Kiew ereignete. Zwei Auftragskiller hatten den Besitzer eines Möbelhauses und zwei seiner Leibwächter erschossen. Auf der Flucht kaperten die Gangster zwei Autos. Einer der Killer verunglückte auf der Flucht, starb einen Tag später im Krankenhaus. Der andere konnte zwei Tage später geschnappt werden.</p>
<p><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--><a href="http://kp.ua/daily/091009/197436/" title="Video ansehen" onclick="javascript:urchinTracker('/outbound/article/kp.ua');"> Überwachungskameras haben den Angriff aufgezeichnet.</a><!--[endif]--></p>
<p>Drahtzieher soll ein Moskauer Gangsterboss sein, der in der Unterwelt unter dem Namen „Merab“ bekannt ist, vermutet die Polizei. „Merab“ hatte es auf den Inhaber des Möbelhauses abgesehen, den armenischen Geschäftsmann Shabab Alyona. Der 49-jährige Armenier soll Schulden bei „Merab“ gehabt haben. Deshalb wollte der Moskauer Gangster dessen schickes Einkaufszentrum übernehmen. Weil der Geschäftsmann nicht einwilligte schickte „Merab“ das Killerkommando, glaubt die Polizei.<!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--></p>
<p>Gewaltsame „Firmenübernahmen“ waren in den neunziger Jahren keine Seltenheit und kommen auch heute noch in der Ukraine vor. Hinter den „feindlichen Übernahmen“ stecken so genannte „Raiders“. Sie besetzen Firmenzentralen, fälschen Inhaberdokumente oder ermorden Firmeneigentümer, um sich so ein bestimmtes Unternehmen einzuverleiben. Erst vor einigen Monaten hatte ein „Raider“ versucht, sich ein Kiewer Hotel unter den Nagel zu reißen. Das Hotelpersonal staunte nicht schlecht, als um 9.00 Uhr Morgens zwanzig kahlköpfige Schläger in Trainingsanzügen erschienen. Was die Gauner nicht wussten: Betreiber des Hotels ist das ukrainische Verteidigungsministerium.<!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--></p>
<p>Aber auch staatliche Stellen sind nicht gerade zimperlich, wenn es ums Geld geht. Im August tauchten rund einhundert Männer in Tarnanzügen vor dem privaten „Kaufhaus Ukraine“ auf.  Die Truppe wollte ein riesiges Werbeplakat heruntereißen, welches an der Fassade des Kaufhauses angebracht war. Daraufhin gab es eine Prügelei mit den Sicherheitsleuten des Kaufhauses. Der Auftraggeber der Paramilitärs: Die Stadtverwaltung Kiew. Angeblich hatte der Kaufhausbetreiber Gebühren für das Anbringen von Werbung nicht bezahlt.<!--[if !supportEmptyParas]--></p>
<p><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/10/kiew-4room-web.jpg" title="kiew-4room-web.jpg" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/10/kiew-4room-web.jpg" alt="kiew-4room-web.jpg" /></a></p>
<p>Der ermordete Geschäftsmann Shabab hatte erst im August das Möbelhaus „4 Room“ an der Kiewer Ringautobahn eröffnet. Der Armenier war mit seiner Familie 1988 in die Ukraine gezogen, betätigte sich in den neunziger Jahren im Zigaretten- und Alkoholhandel, betrieb Bäckereien und eine Döner-Kette und wurde später „sehr reich“, sagte eine Bekannte der Familie.</p>
<p>Am vergangenen Sonntag fand die Trauerfeier für die beiden getöteten Leibwächter statt. Sie gehörten der Spezialeinheit &#8220;Titan&#8221;, einer Gruppe des Innenministeriums an, und wurden Shabab gegen Bezahlung zur Seite gestellt. Shababs Familie hat inzwischen ein Kopfgeld von 200.000 US-Dollar auf Gangsterboss &#8220;Merab&#8221; ausgesetzt.</p>
<p><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/10/kiew-blick-web.jpg" title="kiew-blick-web.jpg" ><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/10/kiew-blick-web.jpg" alt="kiew-blick-web.jpg" /></a></p>
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		<title>Il me faut le code!</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 13:22:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nbeisler</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Paris]]></category>

		<category><![CDATA[Lifestyle]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	
Sehr interessant in Frankreich ist die Begebenheit, dass die Schlüsselbünde hier nicht mit so vielen Schlüsseln behangen sind wie in Deutschland. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Haustüren vieler Appartementhäuser mit Zahlencodes gesichert sind.



Bei der Angabe der Adresse - zum Beispiel bei einer Einladung zum Dîner - bekommt man hier in Paris immer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left"><title></title> 	<!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } 	--></p>
<p align="left" lang="de-DE">Sehr interessant in Frankreich ist die Begebenheit, dass die Schlüsselbünde hier nicht mit so vielen Schlüsseln behangen sind wie in Deutschland. Dies beruht auf der Tatsache, dass die Haustüren vieler Appartementhäuser mit Zahlencodes gesichert sind.</p>
<p align="left" lang="de-DE"><a href="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/09/il-me-faut-le-code.jpg" title="Panneaux de code d’accès"></p>
<p><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/09/il-me-faut-le-code.jpg" alt="Panneaux de code d’accès" width="340" height="274" /></p>
<p></a></p>
<p align="left" lang="de-DE">Bei der Angabe der Adresse - zum Beispiel bei einer Einladung zum Dîner - bekommt man hier in Paris immer noch eine kryptische Zahlen- und Buchstabenkombination dazu. Die sieht vielleicht so aus: B7A45 oder 1875A oder gar Y3607. Manchmal darf man sich sogar zwei notieren. Es gibt einen Code für die erste und einen Weiteren für die zweite Tür. Und in ganz feinen Häusern sollte man sich eine ganz lange Liste schreiben. Ohne diese steht man schon einmal etwas verloren vor der ein oder anderen Haustür&#8230;</p>
<p align="left" lang="de-DE">Mein persönlicher Rekord liegt bei fünf verschiedenen Codes für ein Appartementhaus. Einen für den Vordereingang, einen Weiteren für die Tore im Garten, Einen für den Hintereingang im Untergeschoss und Einen für den Hintereingang auf Erdgeschossebene. Nicht zu vergessen, der Code für den Fahrstuhl ist ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit, denn die Treppen sind manchmal nicht leicht zu finden, deren Benutzung zum Teil sogar unerwünscht und überhaupt, ist die sportliche Aktivität direkt vor der Ankunft schlecht für den perfekten Auftritt beim Dîner.</p>
<p align="left" lang="de-DE">In den letzten Jahren habe ich also einige Codes verschlissen, allein für die Hauseingänge, die mich zu meinen verschiedensten Unterkünften führten. Nun bin ich glückliche Mieterin eines kleinen Appartements mit zwar zwei Eingangstüren, die jedoch mit demselben Code zu öffnen sind. Als ich nun nach einem sechswöchigen Heimataufenthalt vor ein paar Tagen nach Hause kam, stand ich geschockt vor meinem Hauseingang. Ich hatte tatsächlich meinen eigenen Haustürcode vergessen und ihn auch nirgendwo notiert. Nach einigen Minuten panischen Wühlens in meinem Gedächtnis kam Gott sei Dank eine Nachbarin nach Hause und tippte vor mir den Code ein. Schon nach den ersten beiden Tasten kam mir der Code wieder ins Gedächtnis und bleibt dank dieses Erlebnisses hoffentlich möglichst lange dort eingebrannt.</p>
<p align="left" lang="de-DE">Ich möchte nie wieder vor meiner oder einer anderen Tür stehen und denken:  „Il me faut le code!“ (Ich brauche den Code!)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Zwei von drei: Das Prinzip des Zürcher Kultursommers.</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 19:36:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lkroth</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Zürich]]></category>

		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Zürich ist eine übersichtliche Stadt: Eigentlich braucht Zürich für einen gelungenen Kultursommer nicht mehr als die Migros, die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und den Tagesanzeiger. Diesen drei Institutionen verdankt Zürich zwei von drei kulturellen Großereignisse des Sommers.

Den Auftakt machte am 1. Juli die 22. Stadtzürcher Seeüberquerung. Knapp 6000 Teilnehmer legten die 1450 Meter vom Strandbad Mythenquai [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zürich ist eine übersichtliche Stadt: Eigentlich braucht Zürich für einen gelungenen Kultursommer nicht mehr als die Migros, die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und den Tagesanzeiger. Diesen drei Institutionen verdankt Zürich zwei von drei kulturellen Großereignisse des Sommers.</p>
<p><img src="http://www.weltlaeufig.de/wp-content/uploads/2009/08/seeueberquerung1.JPG" alt="Das Prinzip des Zürcher Kultursommers." /></p>
<p>Den Auftakt machte am 1. Juli die 22. Stadtzürcher Seeüberquerung. Knapp 6000 Teilnehmer legten die 1450 Meter vom Strandbad Mythenquai quer über den See bis ins Strandbad Tiefenbrunnen zurück. Alle, die aus Gefühlen der Eitelkeit oder des Fremdschämens von einer Teilnahme an kollektiven Aufwärmübungen absahen, hatten spätestens auf halber Strecke das Nachsehen. Denn weder mangelnde körperliche Fitness noch fehlende Kondition, sondern schlicht die niedrige Wassertemperatur konnte für manchen Schwimmer einen erfolgreichen Abschluss der Veranstaltung gefährden. Nach rund 40-minütigem bitterkaltem Wellenbad erreichten aber auch jene eitlen Sportler das andere Ufer und nahmen mit blauen Lippen, schlotternden Knien und zitternden Händen einen Becher heiße Brühe dankend entgegen. Ein tolles Ereignis, so eine „Seeüberquerig“! Möglich gemacht u.a. durch die Migros.</p>
<p>Weiter ging es am 8. August mit der Street Parade, dem „farbigsten Outdoor-Event der Welt“. Da ich mich selbst an diesem Tag außerhalb Zürichs befand, kann ich an dieser Stelle nur berichten, was mir aus zweiter Hand über die Street Parade zugetragen wurde, nämlich dreierlei: Mein Kollege, der sich ehrenamtlich als Rettungssanitäter engagiert, freute sich über den durch Dauerregen begrenzten Besucheransturm, andere Freunde und Bekannte trafen sich in einem Hinterhof oder auf einem Dach, jedenfalls abseits des Gelages und ein ehemaliger Kommilitone erzählte mir einst von einem Familienurlaub in der Schweiz, bei dem er sich samt seiner Eltern rein zufällig unter volltrunkenen Holländern und kollabierenden Teenagern wiederfand. Schreckliche Geschichte. Ach so: Diese Großveranstaltung kommt übrigens ganz ohne einen meiner drei Lieblingssponsoren aus. Die Street Parade findet statt dank der freundlichen Unterstützung von Coca Cola.</p>
<p>Den Abschluss des Kultursommers bildet vom 13. bis 30. August das Zürcher Theater Spektakel auf dem Festivalgelände am Mythenquai. Das Theater Spektakel feiert in diesem Jahr sein 30jähriges Jubiläum und lädt jeden Abend zu zahlreichen Inszenierungen, Performances und Konzerten von Künstlern aus aller Welt ein. Die meisten Vorstellungen sind bereits wenige Stunden nach Beginn des Vorverkauf ausverkauft, ich durfte mich gestern zu den Glücklichen zählen, die ein Billet für das Stück des jungen brasilianischen Choreografen und Ex-Hip-Hopper Bruno Beltrão und seiner „Grupo de Rua“ ergattern konnten. Die Tänzer wirbelten geräuschlos über die Bühne, rollten rückwärts auf allen Vieren. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=OmsEgzTKz-4" onclick="javascript:urchinTracker('/outbound/article/www.youtube.com');">Hier</a> ein kleiner Eindruck von den brasilianischen Bewegungskünstlern.</p>
<p>Und wem hat das Theater Spektakel solche fantastischen Auftritte zu verdanken? Zwei seiner drei Hauptsponsoren Tagesanzeiger und Zürcher Kantonalbank. Alles schön übersichtlich, hier in Zürich.</p>
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